Vor der kroatischen Insel Mljet
1.300 Jahre alt: Sagenhafter Goldschatz in byzantinischem Schiffswrack entdeckt

Vor der kroatischen Insel Mljet haben Unterwasserarchäologen einen außergewöhnlichen Fund in einem byzantinischen Schiffswrack gemacht, das aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert stammt. Die Forscher bargen einen Goldschatz, darunter juwelenbesetzte Beschläge und einen seltenen Siegelring, der vermutlich einem hochrangigen Beamten oder Militärkommandanten gehörte.
Das Wrack wurde nahe Polače auf der Insel Mljet entdeckt und gilt als eine der bedeutendsten Funde dieser Epoche im Mittelmeerraum. Archäologe Igor Miholjek berichtet, dass die gereinigten Goldobjekte die größte Konzentration an Edelmetall darstellen, die jemals in einem antiken Wrack in dieser Region gefunden wurde.
Zu den kostbarsten Stücken gehören vier goldene Gürtelgarnituren, die mit Smaragden, Rubinen und Perlen verziert sind. Diese prachtvollen Accessoires dienten im Byzantinischen Reich nicht nur als Schmuck, sondern signalisierten auch den sozialen Rang innerhalb der kaiserlichen Hierarchie.
Kaiserliche Symbole auf dem Meeresgrund
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein goldener Siegelring, der das Bildnis eines Kaisers aus der Herakleios-Dynastie trägt. Pavle Dugonjić vom Kroatischen Konservierungsinstitut betont, dass ein solcher Ring nur von Personen der höchsten Regierungs- oder Militärebenen getragen wurde.
Wie das Fachportal Arkeonews berichtet, könnte der Besitzer des Rings autorisiert gewesen sein, offizielle kaiserliche Dokumente zu siegeln. Dies deutet darauf hin, dass sich ein bedeutender Würdenträger auf einer diplomatischen oder militärischen Mission an Bord des Schiffes befand.
Neben den persönlichen Schätzen der Elite-Passagiere transportierte das Schiff auch eine umfangreiche Handelsfracht. Die Taucher fanden zahlreiche Amphoren, Waagen, Elfenbeinjatons sowie Keramikgefäße wie Schalen und Krüge für den täglichen Gebrauch.
Handelswege in Zeiten des Umbruchs
Die gefundenen Goldmünzen aus der Zeit von vier verschiedenen Kaisern helfen den Forschern, das Unglück zeitlich präzise einzuordnen. Das Schiff sank in einer Ära, in der das Byzantinische Reich unter erheblichem politischem Druck stand und Gebiete verlor.
Trotz dieser Krisen belegt der Fund, dass der Fernhandel und die kaiserliche Verwaltung in der Adria weiterhin funktionierten. Justin Leidwanger, Professor an der Stanford University, bezeichnet die Fundstelle als das wichtigste Wrack seiner Periode für das Verständnis dieser Übergangszeit.
Es wird vermutet, dass das Schiff vor einem Sturm Schutz in der Bucht von Polače suchen wollte, bevor es sank. Die Insel Mljet lag an einer strategisch wichtigen Route, die Konstantinopel mit den italienischen Küsten und der Adria verband.
In den vergangenen 19 Jahren wurden rund um die Insel insgesamt 20 bisher unbekannte Schiffswracks identifiziert. Dieser aktuelle Fund sticht jedoch durch den hohen Status der Ladung und die direkte Verbindung zum Kaiserhof hervor.
