Kein Zertifikatehandel
Im waldärmsten Land Europas wächst neuer Wald
Direkter Vertrag statt Zertifikatehandel
Die Elektro-Reederei Brim Explorer hat mit dem Hof Valþjófsstaðir im Nordosten Islands eine auf zehn Jahre angelegte Aufforstungsvereinbarung geschlossen. Von 2025 bis 2030 zahlt das Unternehmen jährlich mindestens 500.000 norwegische Kronen (rund 45.000 Euro); abgerechnet wird pro gebundener Tonne CO₂ zum Marktpreis.
Zwei Punkte heben die Vereinbarung vom üblichen Kompensationsgeschäft ab. Das Geld fließt ohne Zwischenhändler direkt an den Hof – und gepflanzt werden soll so viel Wald, dass neben den künftigen auch sämtliche Emissionen seit der Firmengründung gebunden werden.
Kontrolle nach isländischem Waldstandard
Als Sicherheitsmarge werden 20 Prozent mehr Bäume gepflanzt, als für die berechnete CO₂-Aufnahme nötig wären. Auf Kunstdünger soll weitgehend verzichtet werden; stattdessen setzen die Partner auf Pflanzen, die Stickstoff aus der Luft binden und so das Baumwachstum fördern.
Das waldärmste Land Europas
Als die ersten Siedler Island im 9. Jahrhundert erreichten, waren schätzungsweise 25 bis 40 Prozent der Insel von Birkenwald bedeckt. Rodung und jahrhundertelange Schafbeweidung ließen davon fast nichts übrig – zurück blieben kahle, stark erodierende Flächen.
„Island gehört zu den Ländern mit den weltweit höchsten landnutzungsbedingten CO₂-Emissionen, riesige Flächen sind entwaldet und erodiert“, sagt Agnes Árnadóttir, Geschäftsführerin und Gründerin von Brim Explorer. Das Projekt verbinde lokales Wissen mit neuer Forschung zur CO₂-Bindung – und trage zu Islands Ziel bei, bis 2040 klimaneutral zu werden.
Reederei will bis 2030 emissionsfrei fahren
Brim Explorer betreibt elektrische und hybridelektrische Ausflugsschiffe, unter anderem in Tromsø, auf den Lofoten, in Oslo und auf Spitzbergen. Die MS Brisen fährt bereits vollelektrisch, zwei weitere vollelektrische Trimarane sind im Bau, und die hybridelektrischen Schiffe der Flotte sollen auf reinen Elektroantrieb umgerüstet werden – bis 2030 soll die gesamte Flotte emissionsfrei unterwegs sein.
Die Aufforstung versteht das Unternehmen als Ergänzung dazu, nicht als Ersatz. Sie sei – neben dem elektrischen Antrieb – eine der wirksamsten Maßnahmen, um CO₂ zu binden, so Árnadóttir.
Stabile Einkommen für Islands Höfe
Nach Angaben des Unternehmens profitieren auch die isländischen Landwirte: Langfristige Verträge schaffen stabile Einkommen, wirken der Abwanderung entgegen und stärken den ländlichen Raum. Wer mehr CO₂ bindet, erzielt höhere Einnahmen – das Modell sei zudem auf andere Regionen übertragbar.
Für die aus Island stammende Firmenchefin ist das Projekt auch eine persönliche Angelegenheit.
„Ich habe seit meiner Kindheit selbst Hunderte Bäume gepflanzt, und es ist großartig zu sehen, dass Húsavík heute von grünem, üppigem Wald umgeben ist“, sagt Árnadóttir.
https://www.nordisch.info/laenderwissen/wie-gut-kennen-sie-island/


