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Aus stumpf mach scharf vor 4.500 Jahren

„Schicksalsort“ des schottischen Urwaldes? Riesiger Schleifstein für neolithische Äxte entdeckt

In Schottland haben Archäologen einen bemerkenswerten Ort entdeckt. Es handelt sich um einen abrasiven Sandstein in der Nähe von Balfron bei Stirling, der vor rund 4.500 Jahren zum Schleifen von neolithischen Steinäxten und anderem Handwerkszeug genutzt worden ist.

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Die tiefen Rillen im Sandstein markieren die Stellen, an denen vor 4.500 Jahren Äxte und anderes Gerät geschliffen wurde. (Foto: Dr. Murray Cook)

Bei den nun abgeschlossenen Untersuchungen wurden mehr als 30 u-förmige Rillen identifiziert, so genannte Polissoirs. Der Fundort stellt damit die größte bislang bekannte Konzentration neolithischer Axtschleifstellen in Schottland dar.

Experten gehen davon aus, dass Nutzer des Steins in der betreffenden Zeit kilometerweit angereist sind, um stumpfen Äxten wieder die nötige Schärfe zu verpassen. Viele der Werkzeuge wurden dann wieder zum Fällen von Bäumen eingesetzt, weshalb die Stätte wohl auch als ein früher Schicksalsort für den schottischen Urwald bezeichnet werden kann.

Ein weiterer Grund für das Schärfen des Werkzeugs könnte aber auch dessen Vorbereitung bzw. „Politur“ für zeremonielle Zwecke gewesen sein. Beispielsweise, um Äxte und anderes Gerät als Gastgeschenke aufzuhübschen.

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Die Archäologen und freiwillige Helfer bei der behutsamen Entfernung der Grasnarbe. (Foto: Dr. Murray Cook)

Mithilfe modernster 3D-Bildtechnologie ist es Dr. Murray Cook, Archäologe des Stirling Council FSAScot, und seinen Mitarbeitern laut BBC gelungen, den Kontext des Steins und seiner Umgebung im Detail zu erfassen. Zuvor musste die Grasnarbe behutsam von der Felsoberfläche entfernt werden.

Cook bezeichnete die Stätte inzwischen als die „Entdeckung meines Lebens. Diese Rillen sind erstaunlich, wir haben so etwas noch nie gesehen. Und ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand in Großbritannien sie je in diesem Ausmaß gesehen hat.“

„Der Gedanke, dass hier vor Tausenden von Jahren Menschen gekniet und Steinäxte geschärft haben, mit denen die schottischen Urwälder abgeholzt wurden“, sei für ihn „einfach nur atemberaubend“.

Wenn man heute durch Schottland reist, kann man sich nicht vorstellen, dass der Boden nach dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren von unwegsamen, kühl-gemäßigten Regenwäldern bedeckt war: den Caledonian Forests.

Bereits in der Steinzeit begann der Mensch, die Wälder zu roden, bis praktisch nichts mehr da war. Heute versucht die schottische Regierung, dem Wald durch ein riesiges Wiederaufforstungsprogramm wieder Leben einzuhauchen.

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