Wie die bargeldlose Gesellschaft Schwedens Kriminalität verändert

Schwedens Bankräuber schulen um

| 15.06.2018 - 12:53 Uhr

Schweden war bereits einmal europäischer Vorreiter in Geldfragen und könnte es abermals werden. Jedoch mit anderen Auswirkungen als gedacht.

Bargeldlose Gesellschaft

Was befindet sich im Portemonnaie von Peter Hellberg? Die Tatsache, dass sich im schwedischen Geldbeutel noch Bargeld befindet, deutet auf das Entstehungsjahr des Fotos hin: 2007. (Foto Peter Hellberg, CC BY-SA 2.0)


1661 führten die Schweden als erstes europäisches Land Geldscheine ein, und es dürfte auf dem besten Weg sein, als erstes europäisches Land diese wieder abzuschaffen. Das bargeldlose Bezahlen ist in dem skandinavischen Land bereits so verbreitet, dass viele Geschäfte und Straßenhändler gar kein Bargeld mehr akzeptieren. Ebenso kann man dort den erschnorrten Euro dem Bettler bargeldlos zukommen lassen.

Inzwischen geben zwei Drittel der Schweden an, dass sie komplett auf Bargeld verzichten könnten und die im Umlauf befindliche Bargeldmenge ist so stark gesunken, dass sie nur noch 2% aller Zahlungen 2016 ausmachte, laut Riksbanken, der schwedischen Zentralbank.

Durch die sinkende Nachfrage nach Bargeld halten inzwischen viele Banken weniger oder gar kein Bargeld in ihren Filialen mehr vor. Ein Umstand, der vor allem einer „Berufsgruppe“ nicht gefallen dürfte: den Bankräubern. Die Zahl der Banküberfälle ist von 110 im Jahr 2009 auf 11 2017 gefallen. Wer nun glaubt, dass mit dem Bargeld auch die Kriminalpolizei abgeschafft werden kann, irrt gewaltig. Obwohl Raubüberfälle, um Bargeld zu erbeuten, weniger lukrativ werden, ist die Kriminalität nicht zwingend gesunken. Vielmehr deutet sich an, dass diese sich auf andere Bereiche verlagert hat.

So berichtete The Atlantic, wie die Kriminalität auf andere Bereiche abwandert. Raubüberfälle auf fahrende Transporter sind ein großes Problem geworden, davon kann die schwedische PostNord ein Lied singen: Mehrere ihrer LKWs wurden nachts beim Fahren ausgeraubt. Die Diebe hatten sich während der Fahrt mit einem Auto den Lastkraftwagen genähert und bei 80 km/h den Truck mit der Beute geöffnet, indem sie auf der Motorhaube des fahrenden Diebesfahrzeugs saßen. Dieses fuhr zuvor ohne Licht an die Posttransporter dicht heran und noch bevor der Fahrer des Transporters den Raub bemerken konnte, war die Beute verschwunden.

Da in bargeldlosen Zeiten der Räuberfokus vor allem auf hochpreisigen Gütern liegt, stellte die PostNord den Verbrechern eine Falle. Das Logistikunternehmen füllte einen ihrer Transporter mit hochpreisigen Apple-Produkten. Das Video von der Falle und wie sie zuschnappte stellte PostNord auf Youtube.

Jedoch auch andere Wege, sich unrechtmäßig Geld zu beschaffen sind in Schweden populärer geworden. Die Zahl der Onlinebetrugsfälle ist gestiegen. Die Zahl der Schweden, die Opfer von Betrug oder Raub wurden hat 2016 mit 15,6 Prozent ein Zehnjahreshoch erreicht. Der elektronische Betrug hat sich in Schweden in der vergangenen Dekade laut The Guardian sogar mehr als verdoppelt.

Besonders skurril sind jedoch andere Kriminalitätsfelder, die nun im Aufschwung sind. So ist eine neue Form des Diebstahls das Cryptojacking, bei der unbemerkt Rechenleistungen von Computern Dritter genutzt werden um virtuelle Währungen zu schürfen. Und zum Leidwesen der Natur ist durch die schwindenen Bargeldmengen der Handel mit bedrohten Arten ebenfalls im Aufwind. Verbrechen, die den Artenschutz betreffen, haben ein Zehnjahreshoch erreicht. Nicht verwunderlich, wenn die Banktresore leer sind, jedoch ein Bartkauz auf dem Schwarzmarkt 120.000€ einbringt. Der Diebstahl von Eiern der Großeulen hat ungeahnte Konjunktur bei kriminellen Subjekten erreicht, so Business Insider Nordic.

Schwedens Vorreiterrolle zeigt: Die bargeldlose Gesellschaft mag viele Vorteile haben. Weniger kriminell ist sie jedoch nicht.

Helena

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