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Widerstand in Wort und Schrift

Literatur in Litauen – aus dem Untergrund

Die Litauer sind seit jeher ein lese- und schreibbegeistertes Volk. Doch wie so vieles im südlichen Baltikum hat auch diese kulturelle Passion einen ernsten Hintergrund: Als im 19. Jahrhundert auf Geheiß des russischen Zaren alles Litauische in gedruckter Form verboten wurde, entwickelte sich innerhalb der gebildeteren Kreise der (de facto) entmündigten Bevölkerung eine Art muttersprachliche „Untergrund-Literatur“ in Form von Prosa und Poesie.

litauen literatur
Der 1911 in Litauen geborene Schriftsteller Czesław Miłosz erhielt 1980 den Literaturnobelpreis. (Foto: A. Pawłowski, CC BY-SA 4.0)
Basierend auf dieser Variante des stillen, aber doch bestimmten Widerstandes entwickelten die Litauer eine ganz besondere Beziehung zum geschriebenen Wort.

Im Vergleich zu vielen anderen Industrienationen ist die Bücherindustrie im südlichen Baltikum obenauf. Themen von besonderem kulturellem Interesse haben dabei beste Aussicht auf staatliche Förderung.

Deutlich bzw. greifbar wird die Liebe der Litauer zum Lesen alljährlich auf der Buchmesse zu Vilnius, die mittlerweile als eine der wichtigsten kulturellen Institutionen des Baltikums gilt. Die Besucherzahl aus dem In- und Ausland gestaltet sich im Grunde seit Jahren positiv.

Angeblich wird die Veranstaltung von fast jeder zweiten litauischen Familie besucht. Das Medium „Buch“ hat in Litauen längst nicht ausgedient.

In früheren Zeiten definierte sich die litauische Literatur in erster Linie durch die klassische Poesie. Doch inzwischen gewinnen litauische Autoren – auch durch deren rege Teilnahme an ausländischen Messen – stetig an Renommee.

Das Interesse über die Landesgrenzen hinaus wächst, so dass talentierte Namen wie Renata Serelyte, Vanda Juknaite oder Jurga Ivanauskaite der modernen litauischen Prosa ein Gesicht geben.

Mit Blick auf die Historie der eigenständigen litauischen Literatur ist zunächst das 19. Jahrhundert von Bedeutung.

Das im 18. Jahrhundert entstandene Gedicht Die Jahreszeiten von Kristijonas Donelaitis ist die erste nenneswerte Publikation in litauischer Sprache.

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Ludwig Rhesa war es, der das Werk 1818 erstmals veröffentlichte. Aus der Zeit davor sollen in litauischer Sprache lediglich eine Handvoll Gebetbücher und eine Bibelübersetzung existieren.

Herkunft und Verbleib sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht geklärt…

Weiterführende Informationen zu litauischer Literatur:

  • Maironis Museum: Das erste literarische Werk der litauischen Moderne schuf der Priester Jonas Mačiulis (Maironis). Es handelt sich um das Gedicht „Frühlingsstimmen“ (pavasario balsai) aus dem Jahr 1895. Zu Ehren von Jonas Mačiulis wurde 1936, exakt vier Jahre nach seinem Tod, in Kaunas das litauische Literaturmuseum von Maironis gegründet.

    Es befindet sich in einem wunderschönen Herrenhaus, angebunden an das Rathaus von Kaunas und umgeben von einem großen Garten. Inhaltlich beleuchtet es das Leben und literarische Wirken von Jonas Mačiulis. Zu besichtigen ist unter anderem eine vollständig renovierte Gedenkwohnung des Dichters, in der private Gegenstände und Möbel ausgestellt sind.

    Ferner erhält man Zutritt zu gotischen Gewölben aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Es sind mit die ältesten in Kaunas und dienten zeitweilig als Gefängnis. Antanas Mackevicius, einer der Anführer der Rebellion von 1863, wurde hier zum Tode verurteilt.

  • Webseite: www.maironiomuziejus.lt (auf Englisch)

sh

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