Ein Reisebericht aus Schweden und Norwegen

Spontaner Wochenendtrip nach Grebbestad über Oslo

| 22.08.2017 - 11:53 Uhr

Ich flog superspontan nach Norwegen, um dann in Schweden ein paar kinderlose Tage zu verweilen, zu entspannen. Zehn Stunden bevor ich flog, wusste ich nicht, dass ich fliegen würde.

Der Plan war: kein Plan. Ich denke, das war die beste Motivation um diese schönen Länder im rasenden Minimalismus erleben zu dürfen.
Reisebericht: Auf der E6 nach Oslo
Der erste Eindruck, den ich von Norwegen hatte: „Das Gaspedal ist da, um drauf zu treten, ihr Wikinger-Schnecken!“. Aber, und ich freue mich ob meiner reflektierenden und erwachsenen Eingebung, die Norweger dürfen nur maximal 110km/h fahren. Das Schöne am norwegischen Verkehr: es gibt kein Gehupe, kein stressiges Drängeln, keine aggressiven Fäuste, die aus Autofenstern schwingen. Und erstaunlicherweise kommt man trotz 110km/h von A nach B.

Ich war ja da, um zu entspannen. Das war bereits auf der norwegischen Schnellstraße möglich. Ein Mal Autofahren in Norwegen als Therapiemaßnahme für Burn-Outler der deutschen Autobahnen – ich kann es nur empfehlen.

Von Oslo ging es über die Europastraße E6 an die Westküste Schwedens, eine Autofahrt von rund 160 km und knappen zwei Stunden.

Angekommen in dem beschaulichen Fischerdorf Grebbestad, 1 Std. südlich der norwegischen Grenze gelegen, fühlte ich mich ein bisschen wie ein Outlaw, so ganz ohne Segelklamotten und ohne Gummistiefel.

Grebbestad, Westküste Schweden

Blick über Grebbestad an Schwedens Westküste.


Mir schien, Grebbestad war ein Pilgerort des heiligen St. Helly Hansen. Obgleich ich Allwẹtterkleidung nicht anbete, wurde ich nett willkommen geheißen.

Sofort und jedes Mal, wenn es zum Kontakt mit Einheimischen kam, wurde ich als Tourist entlarvt. Diese Tatsache nervt mich immer noch. Vermutlich lag das einfach an meiner großen Nase und dem fehlenden gelben Regenhut.

Die Norwegerinnen und Schwedinnen sind wohl die attraktivsten Wesen auf unserem Planeten. Alter Schwede, was für zauberhafte, wunderschöne, zarte Geschöpfe in Gummistiefeln, und sie wissen es nicht ein mal. Wahrscheinlich macht sie das so schön – ihre natürliche Ahnungslosigkeit.

Ferienhaus, Zimmer

In meinem gemütlichen Ferienhaus.


Ohne Helly Hansen Jacke aber mit Rock’n’Roll im Koffer bezog ich das Haus von Sara und Gunilla – eine lesbische Liebesgeschichte à la Astrid Lindgren. Selten habe ich ein Haus gesehen, das wirklich nur das Allerötigste bereit hält, dafür aber von Liebe überquillt.
Im Garten

Im Garten.


Jede Tasse war etwas Wert. Jedes Kissen hatte einen selbstgenähten Kissenbezug. Ich war voller Freude in einem Haus zu sein, wo wirklich alles wertgeschätzt wurde. Die Liebe zum Haus und Garten war einfach nicht zu übersehen. Bei Spaziergängen fiel mir dieser wunderbare Umstand bei anderen auch auf. Es gibt gar keinen Helly Hansen Gott, es gibt einfach nur das richtige Bewusstsein, – Helly Hansen sorgt lediglich für wasserabweisende Bequemlichkeit.

Grebbestad, Fischerdorf par excellence mit Fischläden par excellence. Ein Ort an der Westküste Schwedens, keine zweitausend Einwohner, unter den Schweden als gutes Seebad bekannt. Von Fischerei, einer Konservenfabrik, und vor allem von Übernachtungsgästen wie mir leben die Leute dort.

Reisebericht von der Felsenküste in Grebbestad

Der Ortsname Grebbestad bedeutet so viel wie „Anlegestelle am Felsen“. Einen passenderen Indianernamen kann der Ort kaum haben.


Ich sitze soeben im Flugzeug und fliege zurück nach München, mit einer ganzen Tüte voll mit Fisch. Lachsküchlein, Kipper geräuchert, Makrele eingelegt und und und. Das Beste: alles lebte noch vor ca. 10 Std. So pervers das für den Veganer sein muss, so sehr lässt es mein kulinarisches Herz höher schlagen. Zum Fischessen fährt man da hin. Das ergibt einfach Sinn.

Wettertechnisch bzw. Wassertechnisch kann ich euch berichten: Es gibt 4 Jahreszeiten an einem Tag. Punkt. Ende. Da regnet es eben. Viel. Was wiederum viel mit der Natur macht. Schwedens und Norwegens Landschaften sind so saftig und dekadent wie der Schoß eines schönen Wikingers. Da will man einfach eine Picknickdecke ausbreiten und es sich gemütlich machen.

Kinder, die mit Schnüren und Wäscheklammern Krebse fangen, hübsche Mädchen, die dir Schrimps in Körben servieren, und eine Natur, die dich von Wikingern träumen lässt. – Welch Glück, zwei solche Tage zu erleben!

Die Schweden und die Norweger brauchen kein „Back to the roots“. Sie sind die Roots, die uns in unserem konsumorientierten und hektischen Lifestyle fehlen und wir sollten uns alle eine Scheibe davon abschneiden.

Mein Flug von München nach Oslo kostete 170 Euro, ein Häuschen für zwei Tage dazu, 137 Euro, Das Bier 7 Euro, fertig ist der perfekte Kurzurlaub. Am besten, Ihr bucht gleich einen günstigen Flug nach Oslo oder Stockholm; – keine Widerrede!

Nicola

Über die Autorin
Nicola, aufgewachsen in Edinburgh und München, studierte Schottische Geschichte und arbeitete bei The Witchery Tours als offizielle Geschichtenerzählerin und Erschreckerin (als erste und einzige Frau), wo sie viele Touristen in Angst und schreckliches Vergnügen versetzte.

Ihre Familie ist weiterhin in Edinburgh und erschrickt sich nicht mehr.

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