Der zweite Versuch

Fjällräven Classic 2017 – Erfahrungsbericht eines Wanderers

| 28.08.2017 - 18:18 Uhr

Im Jahr 2016 hatte ich an den Fjällräven Classic im hohen Norden von Schweden teilgenommen. Da das Wetter damals allerdings bescheiden schön war, wollte ich dieses Abenteuer 2017 unbedingt noch einmal wagen, in der Hoffnung, diesmal mehr Sonne abzubekommen.
Fjälräven Classic
Mit Spannung erwartete ich den Januar 2017, dann war eine Anmeldung für die Fjällräven Classic möglich. Nachdem ich einen der ca. 2.000 Startplätze ergattert hatte, buchte ich den Hin- und Rückflug sowie eine Hotelübernachtung in der Nähe des Flughafens Arlanda in Stockholm. Es folgt mein Erfahrungsbericht von den Fjällräven Classic 2017.
Abflug bei Sonnenuntergang
Der Fjällräven Classic ist ein mehrtägiger Wander- und Trekking-Wettbewerb, der alljährlich vom Outdoorausrüster Fjällräven veranstaltet wird.

Die Wanderroute

Die Wanderer laufen von Nikkaluokta in das 110 Kilometer entfernte Abisko.

Die Kontrollpunkte sind:

  1. Nikkaluokta
  2. Kebnekaise fjällstation
  3. Singi
  4. Sälka
  5. nahe Tjäktja-Hütte
  6. Alesjaure
  7. nahe Kieron-Hütte
  8. Abisko

10. August 2017

Heute Abend bin ich während eines herrlichen Sonnenuntergangs von Hamburg nach Stockholm geflogen, wo ich noch eine Nacht verbracht habe.

11. August 2017

Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück ging heute der Weiterflug von Stockholm nach Kiruna. Bei der Ankunft am Flughafen viele Rucksäcke auf dem Gepäckband.

Wir fuhren mit dem Bus zur Högalidskolan, wo der Check-In für die Hiking-Tour war und jeder Teilnehmer nach Vorlage seiner Startunterlagen seinen Wanderpass, die Verpflegung (gefriergetrocknete Fertignahrung und Polarbröd) und die Gaskartusche ausgehändigt bekam. Den Wanderpass gab es in Schwedisch, Englisch und Deutsch.

Dieser musste zunächst beim Startpunkt und im weiteren Verlauf bei jedem Checkpoint vorgelegt werden. Darüber hinaus gab es Snacks, Kaffee und Tee und man hatte die Möglichkeit, Souvenirs (T-Shirts, Mützen, Jacken etc.) über die Tour und ggf. fehlende Ausrüstungsgegenstände bei einer überschaubaren Filiale von Naturkompaniet kaufen. Bei den Infotafeln an den Wänden konnte man sich über die Tour und das Wetter für die nächsten Tage informieren.

Nachdem ich dieses alles erledigt hatte, wurde mein Zelt beim Camp Ripan das erste Mal auf der diesjährigen Tour aufgebaut. Dabei entwich meine Anspannung, gleichzeitig entwickelte sich eine gewisse Vorfreude für den morgigen Beginn. Zum Abendbrot wurde heißes Wasser gekocht, es gab Nudeln in Tomatensoße.

12. August 2017

Nach einer kurzen Nacht (die erste Gruppe ist bereits um 6:30 Uhr zum Startpunkt gefahren), gab es zum Frühstück Müsli.

Um 10:30 Uhr ging es für mich mit dem Bus nach Nikkaluokta, wo der alljährliche Startpunkt der Fjällräven Classic war. Beim Warten auf den Bus hat es richtig geschüttet, durchnässt stieg ich in den Bus.
Start in Nikkaluokta
Die insgesamt ca. 2.000 Teilnehmer starten in 8 Gruppen mit jeweils ca. 250 Teilnehmern, um das Starterfeld soweit wie möglich zu entzerren. Diese Startgruppen sind verteilt auf drei Tage, mit einem entsprechenden zeitlichen Abstand voneinander. Während der Fahrt hatte sich zu meiner Freude in der Zwischenzeit der Regen verzogen und es wurde immer sonniger.

Das Zentrum des Dorfes Nikkaluokta besteht aus einem Restaurant mit Informationszentrum. Bei Nikkaluokta treffen drei Täler aufeinander und der Ort ist seit langem die Pforte zum Kebnekaise-Massiv (Kebnekaise 2106 m – höchster Berg Schwedens). Der Kebnekaise hat zwei Gipfel, den südlichen und den nördlichen. Zwei Zelte zum „Einloggen“ standen für die Teilnehmer bereit.

Fjälräven Classic Aufsteller Glücklich Wandern! - Gutes Motto Der erste Schritt auf der Wanderung kann gesetzt werden

Dazu gab es für alle einen orangen Sicherheitswimpel. Das Warten bis zum Start um 13:00 Uhr verging mit Musik und einiger Info wie im Fluge.

Mit einem Joik der Samen und einem herzlichen „god tur“ wurden wir auf die 110 km lange Hiking-Tour geschickt. Anfangs war es auf dem Weg voll, aber nach kurzer Zeit entzerrte sich das Teilnehmerfeld. Nach ca. 6 km durch einen Birkenwald und Moore, auf denen man auf Stegen und Holzbohlen gewandert ist und einer ersten Brücke (max. 10 Teilnehmer), habe ich beim See Ladtjojaure eine erste längere Pause eingelegt.

Dort gab es die Möglichkeit einer Fika. Fika hat in Schweden einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, es ist eine Kaffeepause mit Keksen und Gebäck. Bei Lap Dånalds, Lapplands einziger samischer Burger-Imbiss in der Wildnis, bestand die Möglichkeit Rentierburger zu essen.

See Ladtjojaure

Am See Ladtjojaure.


Der weitere Weg verlief zunächst entlang des Ladtjojaure. Später kreuzten ein paar Bäche den Weg und man wandert relativ entspannt durch Wälder und geht auf Holzbohlen. Auf den letzten Kilometern vor der Kebnekaise Fjällstation sah ich die ersten Zelte. Mein erstes Etappenziel und den Checkpoint, Kebnekaise (19 km) erreichte ich nach ca. 5 Stunden.

Am Fjällräven-Zelt gab es nach dem Startpunkt den ersten richtigen Stempel im Wanderpass. Nach einer Pause und Bevorratung mit Wasser bin ich noch ca. 3 km gewandert.

13. August 2017

Wie schon im vergangenen Jahr stand für mich heute die „Königsetappe“ auf dem Programm. Für den zweiten Tag hatte ich geplant über den Checkpoint Sälka hinaus in Richtung Tjäktja Pass zu wandern. Nach einer hervorragend durchschlafenen Nacht, hat beim Öffnen des Zeltes die Sonne geschienen. Tolles Wetter!, so kann es weiter gehen.
Am Kebnekaise
Zunächst ging der Weg in Richtung zweiten Checkpoint, Singi. An der Singistugorna gelangt man vom Dag Hammarsköldsled auf dem Hauptweg des Kungsleden (Königsweg). Singi ist ein Schnittpunkt vieler Wege. Von dort ging der Rest des Weges praktisch nur noch in Richtung Norden bis zum Ziel Abisko Turiststation.

Auf dem Weg nach Singi gab es massive Berghänge links und rechts des Weges und jede Menge Steine, Steine und Steine. Gegen Mittag erreichte ich nach einem Abstieg die Singistugorna, wo es zur Überraschung der Teilnehmer Wraps gefüllt mit Kartoffelpüree, Rentierfleisch und Preiselbeeren gab.

Im Gebirge bei herrlichem Wetter Gebirgsbach

Weiter ging es bei immer noch herrlichstem Wanderwetter in nördlicher Richtung. Dabei konnte man auf dem Kungsleden gut wandern. Insbesondere die Ruhe, unterbrochen von dem Geplätscher der Bäche war entspannend für mich. Um ca. 17:30 Uhr erreichte ich den Checkpoint Sälka.

Beim Checkpoint Sälka bestand die Möglichkeit, seine Essensvorräte aufzufüllen, die holzbeheizte Sauna zu besuchen, eine längere Pause einzulegen und sein Nachtlager aufzuschlagen. Auch kleine Einkäufe konnte man an der Sälkastugorna tätigen.

Checkpoint Sälka

Checkpoint Sälka


Ich entschloss mich dazu, noch ein paar Kilometer (das Wetter war weiterhin traumhaft) zu wandern. Am Ende des Tages hatte ich mehr als 30 km zurückgelegt.

14. August 2017

In der Nacht hatte es angefangen zu regnen und es wurde zum Teil recht stürmisch. Aber meinem Akto (Hilleberg-Zelt) machte das Wetter nichts aus. Ich erinnerte mich an das letzte Jahr, wo ich fast nur Regenwetter hatte.

Am Morgen hat es immer noch geregnet, dazu der Wind. Ich war froh, dass ich gestern noch ein paar Kilometer mehr – als zunächst vorgenommen – gewandert war. Der Zeltabbau und Packen des Rucksacks waren unangenehm. Froh war ich darüber, dass ich im windgeschützten Vorzelt mein Wasser für das morgendliche Müsli kochen konnte.
Steinpyramide
Im Anschluss ging es bergauf. Nach ca. 1 Stunde hatte ich den Tjäktjapass erreicht, der mit 1140 m über Null der höchste Punkt der Tour und des Kungsleden ist. Nach einem Kurz-Stopp ging es durch Schneefelder und über Steine bergab. Die vielen Steine in der Umgebung kamen mir vor wie eine Mondlandschaft. Zum Glück konnte ich einen Teil des Weges auf Holzbohlen balancieren, hin und wieder musste auch über Steine balanciert werden.

Den weiteren Weg empfand ich auf nördlicher Seite als anstrengend, und ich war froh, als ich die Tjäktjastuga rechts des Weges entdeckte. Von dort waren es nur noch 1,5 km bis zum nächsten Checkpoint, den ich gegen 11:00 Uhr erreichte.
Schnee
Kühl und unangenehm war es dort. Umso größer war die Freude, dass es Kaffee und ein Stück Schokoladenkuchen für uns Wanderer gab. Nach einer kurzen Stärkung zog ich – aufgrund des Wetters – schnell in Richtung Alesjaure weiter. Der weitere Weg ging über Grasheiden, auf Holzbohlen und entlang von Bächen abwärts.

Alesjaurestugorna Bach

Zu meiner Freude wurde das Wetter besser, es gab nur noch vereinzelt Schauer. Nach 3 Stunden hatte ich bereits die Alesjaurestugorna (die Schutzhütte) erreicht, die aufgrund Ihrer Lage auf einer Anhöhe schon von weitem zu sehen ist. Bei der Alesjaurestugorna bestand erneut die Möglichkeit, seinen Proviant aufzufüllen. Des Weiteren habe ich, passend zur Tageszeit, eine fika mit Kaffee und kanelbullar (Zimtschnecken) eingelgt.

Wanderwege Wanderung, Regenbogen

Aufgrund der frühen Ankunft bin ich nach ca. 1 Stunde weiter in Richtung Kieron gelaufen. Ganz in der Nähe der Alesjaurestugorna gibt es am Alesjaure eine Samisiedlung. Der Weg entlang des Sees ist im Gegensatz zum Beginn des Tages flach und leicht zu wandern. Zum Teil wandert man entspannt entlang des Sees und genießt den Anblick der Natur und die über allem schwebende Ruhe.

Gegen 18:00 Uhr habe ich einen sehr schönen Zeltplatz mit einem kleinen Wasserlauf für mich entdeckt. Damit war der lange Wandertag für mich beendet.

Zeltplatz Am Ende eines Wandertages

15. August 2017

Heute war ich am Morgen unentschlossen, ob ich bis zum Ziel nach Abisko wandere und einen „Ruhetag“ damit gewinne oder ob ich noch eine Nacht bei der Abiskojaure verbringen sollte.

Nachdem ich von dem wunderschönen Zeltplatz aufgebrochen bin, war ich relativ schnell in der Nähe von Kieron, dem heiligen Berg. Kieron ist das samische Wort für Rebhuhn.

Rentiere Pancakes und Kaffee

Zur Mittagszeit war ich bereits beim nächsten Checkpoint, wo ich, sozusagen als Belohnung, bei tollem Wetter leckere Pancakes gegessen habe.

Aufgrund der frühen Uhrzeit fasste ich den Entschluss, heute noch bis zum Ziel nach Abisko zu laufen. Nach 1 km beginnt der Nationalpark Abisko. Im Nationalpark darf man nur an der Abiskojaure und ca. 5 km vor dem Ziel sein Zelt aufschlagen. Alle Wege des Parks sind in einem guten Zustand und das Wandern macht trotz des schweren Rucksacks viel Spaß. Die Zeit verging wie im Fluge.
Im Nationalpark Abisko
Nach ein/zwei Pausen sah ich die erste Countdown-Markierung. Damit war das Ziel nicht mehr weit und meine Freude auf den Ruhetag groß. Auf den letzten Kilometern hatte man einen imposanten Blick auf die Schlucht und den Abiskojakka. Dann sah ich die Eisenbahnbrücke und erreiche das Holzportal zu Beginn (Ende) des Kungsledens.

Die letzten Meter waren pure Freude über den Empfang im Ziel – viele Wanderer sitzen bereits im „Trekkers Inn“. Nach 76 Stunden und 33 Minuten (ca. 19 Stunden weniger als 2016) hatte ich das Ziel ohne körperliche Blessuren der Fjällräven-Classic 2017 erreicht.

Kungsleden - der Königsweg Anfang oder Ende des Kungsleden

Im Ziel habe ich meinen letzten Stempel bekommen. Dazu gab es eine Medaille und einen Aufnäher entsprechend der Häufigkeit der Teilnahme.

Am Ziel des Fjälräven Classic

Am Ziel des Fjälräven Classic


Weitere Neuankömmlinge werden mit Applaus begrüßt. Ich hingegen gönnte mir ein kühles Getränk und einen Rentierburger. Danach habe ich das Zelt aufgebaut – ein letztes Mal auf dieser Tour.

Wer mehrtägige Wanderungen in der Natur und das Übernachten im eigenen Zelt mag, wer sich nach Ruhe unter freiem Himmel sehnt, für den sind die Fjällräven Classic wie gemacht.

Hendrik Brase
Text und Bilder

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