Rezension

„Elf Tage in Berlin“ – Roman von Håkan Nesser

| 29.12.2017 - 11:36 Uhr

Als Arne Albin Hektor Murberg in seiner Kindheit bei einem Kopfsprung in den Badesee sich am Kopf verletzt, wird sein Gehirn nachhaltig geschädigt. So sehr, dass die Erwachsenen in seinem Leben zu Beginn immer wieder den Raum verließen, um über das Schicksal heimlich zu weinen.

Elf Tage in Berlin: Roman Håkan Nesser Rezension

Elf Tage in Berlin: Roman von Håkan Nesser (© btb)


Arne wächst bei seinem Vater in Schweden auf. Ohne die Mutter zwar, aber eine Tante und ein Onkel helfen dem alleinerziehenden Vater so sehr, dass Arne letztlich mit drei Eltern aufwächst.

Dass er nach dem Unfall mit seinem Kopf nicht mehr so denken kann wie zuvor, stört den Jungen nicht. Auch, dass er ein Jahr später ganz von der Schule genommen wird, scheint ihn nicht zu kümmern. Vielmehr fügt er sich in sein Leben, wie die Eltern es für ihn aussuchen. Dieses besteht fortan aus dem kleinsten Familienkreis, dem Tabakladen des Vaters und Filmen.

So wird Arne groß und bleibt doch seit dem Unfall geistig in einer kindlichen Naivität, die die Erwachsenen befürchten lassen, dass der Junge nicht auf sich alleingelassen werden darf.
Erst durch den Tod des Vaters ändert sich das tägliche einerlei des Arne Murberg.

Der Vater gibt dem Sohn am Totenbett einen Auftrag, zusammen mit einem Geständnis. Arnes Mutter sei nicht gestorben, wie er es dem Jungen immer erzählt hatte, sondern habe den Vater und Arne verlassen, als dieser noch klein war, um mit einem Troubadour nach Berlin zu ziehen. Weit weg vom Ort K. in Schweden, wo Arne und sein Vater allein zurückblieben.

Arnes Vater beauftragt seinen Sohn damit, seine Mutter in Berlin zu suchen und ihr ein Kästchen zu übergeben. Dann stirbt er.

Für Arne beginnt ein Abenteuer. In diesem trifft er auf den scheinbar verrückten Professor Litvinas, welcher den Naivling für ein Experiment benutzen möchte und auf Beate Bittner, die durch das Strümpell-Lorrain-Syndrom an den Rollstuhl gefesselt ist, während er in Berlin nicht nur seine Mutter sucht, sondern auch zum ersten Mal in seinem Leben auf sich allein gestellt ist.

Håkan Nesser, der schwedische Bestsellerautor, hat in seinem 2015 erschienenen Roman zur Abwechslung keinen Krimi geschrieben. Vielmehr ist dieser der letzte Teil einer Städtetrilogie des Autors, zu dessen Zweck er sich eine Weile in Berlin aufgehalten hat.

Die Handlungsstränge seiner Protagonisten webt Nesser so gekonnt ineinander, dass am Ende Fantastisches und Reales verschmelzen und alles einem übergeordneten Sinn folgt. Oder vielleicht auch nicht.

„Elf Tage in Berlin“ ist 2017 als Taschenbuch erschienen.

Elf Tage in Berlin*
Håkan Nesser
Taschenbuch, 384 Seiten

Helena

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