Allerheiligen und das keltische Samhein-Fest

Halloween auf Schottisch: Etwas andere Traditionen und Bräuche

| 27.10.2017 - 14:08 Uhr

Heutzutage mag der Kürbis die Hauptrolle bei einer Halloween-Deko spielen, jedoch war es nicht immer so. Ganz besonders nicht in Schottland (oder in Irland).

Kohlrübenlaterne zu Halloween

Die schottische Kohlrübenlaterne zu Halloween. (Screenshot aus Video von Scot Scran über Halloween, s.u.)


Das Wort Halloween kommt von „All Hallows Eve“ (Abend vor Allerheiligen). Der Vorabend der Allerheiligen markiert den Beginn des christlichen Festes, an dem die Lebenden den Toten ihre Ehrerbietung erweisen, speziell den „verherrlichten Gliedern der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“, d.h. den Heiligen und Märtyrern.

Es ist umstritten, ob es Absicht oder Zufall war, dass das christliche All Hallows Eve-Fest auf den Tag des keltischen Festes Samhain fällt, welches das Ende des Sommers kennzeichnet und zugleich Erntedank und ein Willkommen des Winters ist. Immerhin wurde der November-Termin für Allerheiligen zuerst im 8. Jahrhundert in Italien eingeführt, wo Samhain unbekannt war. Andererseits wird Irland bereits seit dem 4. Jahrhundert durch Rom christianisiert, eine Rückkopplung auf die römischen Kirchenväter ist daher nicht auszuschließen.

Tatsache ist, dass Halloween, der Allerheiligenvorabend, viele unchristliche Traditionen und Bräuche des heidnischen Samhain-Festes enthält.

Bei Samhuinn – wie die schottischen Druiden das Fest nennen, was soviel wie „Sommerende“ bedeutet – wurde in Schottland die Fülle der Ernte gefeiert, die den Leuten half, durch den Winter zu kommen.

Außerdem sahen die hochgradig abergläubischen Kelten diese Periode im Herbst als eine Übergangszeit an, in der die Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders dünnwandig war. In dieser Zeit fällt es den Toten leichter, Zugänge zur Welt der Lebenden zu finden.

Die logische Konsequenz dieser Reflexion war es, dass die Bewohner von Dörfern und Gemeinden Lagerfeuer entfachten, des Feuers reinigende Kraft nutzend, um die bösen Geister, Feen und Hexen fernzuhalten.

Dabei wurde außerdem die heimische Feuersstelle gelöscht und mit dem Feuer von draußen wieder angezündet, um den Schutzschild auch im Hause zu aktivieren.

Geschnitzte Kürbiskopf-Laternen

Geschnitzter Kürbis? – Lange bevor das Schnitzen von Kürbissen Teil der amerikanischen Halloween-Tradition wurde, schnitzten die Schotten (und Iren) Rüben zu Fratzen-Laternen, um damit Samhain zu begehen. Die Kohlrübe (schott. neep oder tumshie) war das bevorzugte Mittel der Wahl bei den Schotten, wenn es darum ging, ein Gemüse auszuhöhlen und eine Kerze hineinzustecken.

Im Laufe der Zeit ersetzten diese Laternenfeuer die veraltete Tradition der Schutz-Lagerfeuer, ihre Zeit schien abgelaufen, das Feuer-to-go in der Rübe war der Schitt. Die festlichen Lagerfeuer fanden im 17. Jahrhundert jedoch wieder Arbeit bei den alljährlichen Guy Fawkes Festivitäten am 5. November, – das jedoch ist eine andere Geschichte.

Rübe ab, hallo Kürbis!

Die Kürbislaterne ist eine vergleichsweise moderne Erfindung. Als die Schotten (und Iren) bei der Besiedelung der USA halfen, lebten sie die Traditionen ihrer Heimat weiter. Allerdings stellten sie drüben in Amerika fest, dass es viel mehr Kürbisse als Rüben gab. Außerdem waren die Kürbisse wesentlich leichter zu bearbeiten.

Interessanterweise schwappte die neue Kürbismode zurück auf den alten Kontinent, und die Schotten (und Iren) Europas verwenden heutzutage ebenfalls lieber die nutzerfreundlichen Kürbisgewächse anstatt der Rübe oder Kartoffel.

Nichtsdestoweniger, die schottischen Traditionalisten schwören weiterhin auf die Wirkung der Kohlrübe auf die bösen Geister. Ein wahrhaft keltischer Schotte liebt daher den Geruch versengter Rüben im Herbst.

Zur Anschauung der schottischen Rübenschnitzerei hat Youtube ein Video vorbereitet:

Ein kleines Wortspiel mit der Ernte

Das keltische Wort Samhain wird Britannien „sow in“ ausgesprochen. „To sow“ heißt auf Englisch „aussäen“, Samhain ist damit das Gegenteil des Aussäens, also „Einsäen“ bzw. Ernte. Sehr verkürzt dargelegt. Aber man versteht, worauf es hinausläuft; – nämlich auf die vielen Äpfel und Nüsse im Herbst. Übrigens, mit der Verschwendung dieser Lebensmittel können Schotten die Zukunft voraussagen.

Aussprache von „Samhain“

Wie man mit schottischen Äpfeln in die Zukunft schaut

Man nehme einen schottischen (oder irischen) Apfel, und schneide ihn in neun Teile. Man esse acht Teile. Sodann wende man sich mit dem Rücken zum Spiegel und werfe den neunten Teil des Apfels über die Schulter.

Wenn man sich danach zum Spiegel dreht, sieht man das Gesicht des oder der Zukünftigen darin.

Wem es schwerfällt, den neunten Teil eines Apfels zu verschwenden, und wer außerdem Vitamine nicht ausstehen kann, die in der Schale des Apfels schlummern, schäle den Apfel, esse ihn, und schmeiße dann die Schale über die Schulter. Im Spiegel erscheint jedoch lediglich der erste Buchstabe des Nachnamens des oder der Zukünftigen.

Wie man mit schottischen Nüssen in die Zukunft schaut

Eine andere Methode, zu schauen, was die Zukunft bringt, hat mit Haselnüssen zu tun. Man lege zwei Haselnüsse in die Glut des Feuers. Man benenne eine Nuss mit dem eigenen Namen, der anderen Nuss gebe man den Namen seiner besseren Hälfte. – Bei einem Paar, das nicht zusammenpasst, springen und platzen die Nüsse. Bleiben die zwei Nüsse ruhig bei einander liegen, hat sich ein paar fürs Leben gefunden.

Das Kartoffelverfahren

Wenn man Glück hat, landet man auf einer schottischen Party, auf der man seine Zukunft aus einer Schüssel Kartoffelpüree erfährt (der Highlander nennt seine Stampfkartoffeln „fuarag“). Im Erdapfelstampf liegt Magie verborgen, bzw. wurde dort hineingesteckt. Davon nimmt sich jeder einen Löffel voll.

Was immer man im Brei seines Löffels findet, ist schicksalshaft für den Finder. Findet er darin eine Münze, so verheißt diese Wohlstand. Ein Knopf bedeutet ewiges Junggesellentum, ein Ring bringt Hochzeit. Ein Auto bedeutet Auto, wohingegen Kartoffelbrei Kartoffelbrei bedeutet, der einem in sehr naher Zukunft blüht. – Also Augen auf beim Kartoffelkau’n, wenn in Schottland (oder in Irland).

ap

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