Projekt Faktisk.no – Norwegischer Faktencheck

Konkurrierende Medien-Häuser gemeinsam gegen Fake-News

| 6.04.2017 - 10:29 Uhr

Die Boulevard- und Tageszeitung Dagbladet, das Boulevardblatt VG (Verdens Gang) und der öffentlich-rechtliche Sender NRK bauen gemeinsam eine Faktencheck-Website auf.

Unter der Domäne Faktisk.no („faktisch“) wird eine Website entwickelt, die sich ausschließlich dem Faktencheck widmet. Das berichtet die Website NiemanLab.org.

Faktisk.no

Screenshot von Faktisk.no.

Das Ungewöhnliche daran ist, dass die drei Verlags- und Medien-Häuser im „normalen Leben“ Konkurrenzunternehmen sind, die in dieser umfangreichen Weise noch nie gemeinsame Sache gemacht haben.

Es werden alle möglichen Fakten gecheckt, von Nachrichten und Berichten, die anfangen auf den Plattformen der Sozialen Medien zu „trenden“, bis hin zu politischen Diskussionen in den Medien allgemein.

Die Idee dazu entstand in der Redaktion des VG, ein Blatt der Mediengruppe Schibsted. Allerdings schien die Sache zu groß, um sie im Alleingang zu bewältigen. So wurde die zweitgrößte Tageszeitung Norwegens angesprochen, Dagbladet, diese  war zur Kooperation bereit.

Kristoffer Egeberg, langjähriger Journalist des Dagbladet, wurde zum  Leiter des sechsköpfigen Faktisk-Teams ernannt. Bald war man sich einig, dass die Sache von größerer und wichtigerer Bedeutung ist, um nur von Zweien betrieben zu werden. So holte man zuletzt die öffentlich-rechtliche Medien-Anstalt NRK als dritten Partner dazu.

Fritt Ord, eine norwegische Stiftung zur Unterstützung der Redefreiheit, der Tinius Trust (Großaktionär von Schibsted), die Dogbladet-Stiftung und der NRK haben gemeinsam 8 Mio. NOK (880.000 Euro) auf den Tisch gelegt, um das Projekt anzuschieben.

Damit verzichtet Faktisk darauf, sich auf den künftigen Faktencheck von globalen Unternehmen wie z.B. Facebook, die ebenfalls in Bälde Faktenchek-Services anbieten möchten, zu verlassen, und macht lieber eigene Sache.

Es wird ein eigenes, auf die Bedürfnisse des Faktenchecks ausgerichtetes CMS entwickelt. Das ganze wird als Open-Source-Software programmiert.

Die Initiatoren des Projektes gehen davon aus, dass in Zukunft weitere Partner dazu kommen werden. Weitere Medien-Häuser haben ihr Interesse bereits bekundet.

Ein Vertreter von Faktisk.no sagte, man würde auch mit Facebook zusammenarbeiten, wenn das Unternehmen auf sie zukäme.

Man geht davon aus, dass die dauerhafte Finanzierung des Faktenckeck-Projekts über Spenden und andere Zuwendungen von Stiftungen und Verlagshäusern bewerkstelligt wird.

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