Die neue Seidenstraße zwischen Asien und Nordeuropa führt möglicherweise über Lettland

Eine Zugverbindung zwischen China und Lettland

| 10.04.2017 - 16:28 Uhr

Nach 12 Tagen und einer Fahrt von 11.000 km erreichte ein Container-Zug aus China die lettische Hauptstadt Riga. Diese logistische Meisterleistung vollbrachte man im November 2016. Der Zug ist ein Versuchstransport im Rahmen der chinesischen „One Belt, One Road“-Initiative, sozusagen ein Projekt zum Aufbau einer neuen Seidenstraße. Lettland könnte der neue Nordeuropa-Knotenpunkt für Züge aus China werden. Darüber spekuliert jedenfalls The Baltic Times. Und sie haben viele Gründe für diese Annahme.

Route neue Seidenstraße China EU

Drei Zugänge zur EU. Einer davon führt möglicherweise über Lettland. (Bild HKDC Research)

Der Testlauf im November passt hervorragend zusammen mit Chinas Infrastruktur-Offensive, die u.a. den Handel mit der EU ausbauen soll. Dazu gehört auch eine Überlandverbindung zwischen Asien und Europa, von der man hofft, dass sie langfristig zu geringeren Transportkosten führt. 2013 hat China ein großangelegtes Infrastrukturprogramm gestartet, bei dem 4 Billionen US-Dollar investiert werden.

Bei einer Handelsbilanz von täglich 1 Mrd. EUR zwischen EU und China sind beide Seiten hoch motiviert, die Handelsrouten zwischen den Kontinenten zu optimieren. China und EU freuen sich bereits auf das internationale Belt and Road Forum im Mai des Jahres, nach dem, wahrscheinlich, diverse gemeinsame Großprojekte verkündet werden dürften.

Drei Zugänge zur EU

China verfolgt eine Strategie der drei Zugänge zur EU. Die Wiederbelebung der alten Seidenstraßenroute würde eine günstige verbindung zu Mitteleuropa schaffen, d.h. direkt zu den ökonomischen Machtzentren Europas: Deutschland, Frankreich und Niederlande.

Desweiteren existiert ein Plan zur Erschließung Südeuropas. Er enthält die Möglichkeit einer Kombination aus Eisenbahn- und Schiffsverbindung, übers Mittelmeer würde man Griechenland und oder Italien erreichen.

Bleibt noch die Frage nach Nordeuropa. Es gibt bislang keine eindeutige Antwort darauf, welche Route China nach Nordeuropa nehmen möchte. Fest steht nur, dass Lettland und Finnland die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für einen nordeuropäischen Knotenpunkt sind.

Finnland ist ein guter Kandidat. Der Flughafen Helsinki-Vantaa hat sich durch gutes Marketing als „Tor zu Europa“ in Asien einen Namen gemacht. Finnland hat es geschafft, die Touristenzahlen aus drei asiatischen Märkten zu steigern, darunter aus China. Der visumfreie Verkehr zwischen den Häfen von Helsinki und Sankt Petersburg hat auch die Touristenzahlen aus Russland überproportional wachsen lassen. Außerdem diskutiert Finnland den Bau einer neuen Eisenbahnstrecke nach Schweden über Nordfinnland. Was wiederum Schweden China etwas näherrückte.

Die logische Alternative zu Finnland ist Lettland. Geographisch gesehen liegt das Land näher an China, was zu einer besseren Kosten/Nutzen-Rechnung führt. Zur günstigeren Lage kommt hinzu, dass Lettland große Erfahrung im Ost-West-Transit vorweisen kann.

Der internationale Flughafen von Riga kann sich mit dem von Helsinki in Sachen Frachttransport messen. Gut ausgebildetes Personal, das stets mindestens trilingual daher kommt, sprechen ebenso für Lettland als Knotenpunkt für den China-EU-Handel, wie eine bereits etablierte Verbindung für den Transport von Waren von und nach Afghanistan. Ein Vorteil, über den z.B. Litauen und Estland nicht verfügen.

Mit dem geplanten Projekt Rail Baltica, eine Nord-Süd-Schnellzugverbindung von Estland nach Berlin, mit Riga als Durchgangsstation, wäre es vergleichsweise leicht, eine Verbindung Richtung Osten, und damit nach Russland, zu schaffen, womit eine strategisch wichtige Ost-West-Achse hergestellt wäre.

Zusammen mit dem erfolgreichen Testlauf im November 2016 ergibt sich eine gewisse Tendenz zu Lettland als einem neuen Hub für den europäischen Handel mit Asien.

Gewissheit darüber werden die nächsten Monate des Jahres bringen, die Weichenstellung für eine Entscheidung erfolgt möglicherweise schon im Mai nach dem Belt and Road Forum in China.

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