Tourismus zweitstärkster Wirtschaftsfaktor Islands

Zwei Katastrophen, ein Segen für Island

| 4.10.2017 - 14:17 Uhr

Zwei große Katastrophen der vergangenen Jahre waren ein Segen für Island. Genauer gesagt, für dessen Tourismuswirtschaft.

In Reykjavik

In Reykjavik. (Foto Nordisch.info)


Zum einen die Finanzkrise der Jahre 2008 bis 2011, in der alle drei großen Banken des Landes zusammenbrachen. Gemessen an der Größe der Wirtschaft Islands, war der Bankenkollaps des nordeuropäischen Landes der größte aller Länder in der Wirtschaftsgeschichte. Zum anderen der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im Jahre 2010.

Die Finanzkrise schwächte die isländische Krone so stark, dass das Land plötzlich als Reiseziel für den Massentourismus erschwinglich wurde. Während der Finanzkrise zog der Tourismus an, war aber noch entfernt davon, massentauglich zu sein. Es fehlte ein geschickter Marketingcoup, der dem Land die Aufmerksamkeit bescherte, die es zurecht verdiente.

2010 brach der Eyjafjallajökull so heftig aus, dass Island wochenlang im Zentrum medialer Aufmerksamkeit stand. Danach wuchsen die Besucherzahlen exponentiell von Jahr zu Jahr.

Tourismus ist zweitstärkster Wirtschaftstreiber in Island

Anteil der Tourismusbranche am BIP, Island

Anteil der Tourismusbranche am BIP in den Jahren 2009-2016. (Grafik Statistics Iceland)


Jetzt ist die Tourismusbranche der am stärksten wachsende Wirtschaftszweig des Landes. Das Statistische Amt Islands hat heute Wirtschaftsdaten veröffentlicht, denen nach der Tourismus im Jahre 2016 8,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachte. Damit schiebt sich die Reisebranche an produzierendem Gewerbe und der Fischerei vorbei an die zweite Position, gleich hinter den Handel.

Der Anteil des Tourismus am BIP lag 2015 bei 6,7 Prozent und im Jahre 2014 bei 5,6 Prozent.

Top 8 der Branchen in Island 2016

Top 8 der Branchen in Island 2016. (Grafik Statistics Iceland)

Die Hotellerie- und Reisebranche verhalfen Island zu einem schnellen Comeback nach der Finanzkrise. Während viele Länder nach wie vor an den Folgen der Wirtschaftskrise laborieren, ist in Island nichts mehr davon zu spüren. Die Arbeitslosenquote ist niedrig, der Lebensstandard hoch.

Doch ist der Boom der Reiseindustrie nicht nur Segen, sondern auch Fluch für die meisten Isländer. Übernachtungspreise steigen fast monatlich, – Airbnb, das Vermittlungsportal für private Apartments an Touristen, ist voll überteuerter Wohnungen, die für den Reisenden in Island bereitstehen. Wohnungen, die dem heimischen Mietmarkt entzogen werden. Die Wohnraumverknappung spüren die Einheimischen in teurer werdenden Mieten, sowie längerer Suche nach geeignetem Wohnraum.

Darüberhinaus zerstört der Massentourismus die empfindliche Natur der Insel. Zum Missfallen vieler Isländer, die sich immer genervter im Umgang mit Touristen zeigen. In einer Umfrage des isländischen Tourismusverbandes sagten 75,7 Prozent der Befragten, dass der Druck durch die Touristen auf die isländische Natur zu hoch sei.

Der jüngste Ausfall gegenüber Touristen, der mediale Aufmerksamkeit nicht nur in Island selbst erlangte, illustriert die Stimmung im Lande. Letzten Monat beschmierten Einwohner eines Dorfes den Wagen eines Touristen mit den Exkrementen, die dieser selbst zuvor neben einer Straße ausgeschieden hatte.

ap

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