Reisebericht aus Island

Islands Golden Circle – Ein Tagesausflug von Reykjavik

| 19.06.2017 - 18:51 Uhr

Der Goldene Kreis ist ein Rundkurs, an dem drei große Naturschauspiele Islands liegen. Alle diese Sehenswürdigkeit sind keine 100 Kilometer von der Hauptstadt entfernt: Thingvellir, ein Ort der Volksversammlung, eines der ältesten Parlamente der Welt. Thingvellir ist zugleich der Name eines Nationalparks, an dem zwei tektonische Platten auf einander treffen. Ebenso an der Strecke liegt der berühmte „Große Geysir“ und seine aktiveren Nachbarn. Und schließlich der Gullfoss Wasserfall.

Golden Circle, Reisebericht Island

Golden Circle, eine Reisebericht aus Island. (Bild Google Maps)


Wir packen in unseren Koffer eine dünne Regenjacke, festes Schuhwerk (bei gutem Wetter genügen Turnschuhe), sowie Proviant und Getränke. Die Rundreise eignet sich hervorragend als Tagesausflug von Reykjavik aus.

Es gibt diverse Reiseanbieter, die diese Tour fest in ihrem Programm haben. Wer geführte Gruppenreisen mag, für den wird das das richtige sein. Wir haben letzten Sommer einen Wagen gemietet, und sind zu zweit einfach losgefahren. Die Karte, auf der der Golden Circle verzeichnet war, gab es von der Autovermietung gratis dazu.

Auf der Strecke zwischen den weltberühmten Sehenswürdigkeiten entdeckt man Landschaften und Flecken, bei denen es sich lohnt, den Wagen anzuhalten und auszusteigen. Die Landschaft um das Kraftwerk von Hellisheiði gehört dazu.

Diese „goldene“ Rundreise ist die perfekte Einführung, sozusagen die Vorspeise für alle, die zum ersten Mal in Island sind oder nur wenige Tage dort bleiben. Danach kommt man garantiert auf den Geschmack.

1. Der Mietwagen

Mietwagen Island
Autovermietungen gibt es in Reykjavik wie Vulkane auf Island bzw. Sand am Meer. Die üblichen Verdächtigen Europcar, Hertz, Sixt und Budget haben dort ihre ständige Vertretungen. Aber auch jede Menge kleinere Vermietungen. Die Preisunterschiede können signifikant sein, ein Vergleich ist empfehlenswert. Ein Kleinwagen kostet 40-150 EUR am Tag. Meist gibt es eine Chipkarte dazu, die beim Tanken eine Handvoll Euro spart. Der günstigste Anbieter war damals Reykjavik Cars.

Kleine Macken im Blech, die von Steinschlägen herrühren, gehören zur Grundausstattung isländischer Mietwagen, und sind im Preis inklusive. Nachdem wir den Kleinwagen haben, ein größeres Auto ist auf der gut ausgebauten Strecke nicht nötig, unterschreiben wir, dass wir den Wagen nicht auf unbefestigten Wegen fahren werden, dann geht’s endlich los.

2. Landschaft rund um das Hellisheiði-Kraftwerk

Hellisheiði Kraftwerk
Wir fahren die Strecke gegen den Uhrzeigersinn Richtung Südosten von Reykjavik aus. Die grüne, offene Landschaft, im Hintergrund Berge und Seen, ist uns sehenswert genug. Doch lassen wir die Beschilderung nicht außer Acht. An der Hauptstraße gibt es Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, die man nicht direkt vom Weg aus sieht.

Landschaft in Hellisheithi Überlandwärmerohre in Hellisheithi Geothermales Kraftwerk von Hellisheithi

Auf diese Weise haben wir an der Strecke Gegenden besichtigt, die zunächst nicht auf unserer Liste standen. Zum Beispiel die geothermisch geprägte Landschaft rund um das Hellisheiði-Kraftwerk.

Wanderpfade führen zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man dampfende Landschaften und ebenso auf die Dampfschlote des Kraftwerks im Tal blickt. Steht der Wind günstig, schlägt einem eine Wärmeblase freundlich ins Gesicht.

Seit kurzem beherbergt das Kraftwerk eine interaktive Ausstellung zur Geologie Islands und der Geschichte der Nutzung geothermaler Energie in Island.

3. Strokkur Geysir und der Große Geysir im Heißwassertal Haukadalur

Geysire im Heißwassertal Haukadalur
Nach einer einstündigen Wanderung fahren wir weiter Richtung Osten. Ins Heißwassertal Haukadalur in der Gemeinde Bláskógabyggð. Wir wollen die Geysire sehen. Der berühmte „Große Geysir“, der mit seinem Namen Pate für geothermale Quellen dieser Art stand, bricht nur noch selten aus.

Wir lassen den alten Mann schlafen, und wenden uns dem wesentlich aktiveren Stokkur zu, der gleich nebenan seine vulkanischen Dinge tut. Etwa alle 10 Minuten bricht er aus, und spuckt heißes Wasser bis zu 35 Meter hoch.

Stokkur Geysir Geysir Stokkur in Aktion

Zum Glück haben wir unser Regen-Cape angezogen. Das feste Schuhwerk hält die Füße trocken. Der Geruch nach Hölle und Teufel kümmert uns nicht.

Es sind etliche Touristenbusse an dieser Stelle, im Besucherzentrum kann man Hände waschen und einen Happen essen. Wir vermeiden beides und fahren weiter zum Gullfoss.

4. Gullfoss Wasserfall, spektakulär und legendär

Gullfoss Wasserfall
Die Station Gullfoss markiert etwa die Hälfte unserer Reise. Wir sind entspannt, genießen das sonnige Wetter, sommerliche 17 Grad, und die Landschaft, die an unserem Auto gemächlich vorbeifließt.

Wörtlich bedeutet Gullfoss Goldfall. Wir sind also am Goldfall-Wasserfall, wie etwa tausend andere Touristen auch, und sind froh, die Regenjacken dabei zu haben. Der mächtige Gullfoss ist nicht nur laut wie ein Donnergott, er erzeugt auch einen dauerhaften Sprühregen, der direkt über den Köpfen der Bersucher einen Regenbogen gebiert.

Wir sind euphorisiert. Hüpfen am Rande des in zwei Stufen fallenden Stroms, und haben ein Dauerlächeln auf den Lippen, überhaupt lächeln alle Gäste des Wasserriesen. Die Atmosphäre ist nicht nur freundlich, sie ist glücklich.

Fast wäre dieses Kunstwerk der Natur zerstört worden. Es ist einer mutigen Isländerin zu verdanken, dass der Gullfoss unter Naturschutz steht, anstatt als Wasserkraftwerk zu schuften.

Feuchtwiese am Gullfoss Regenbogen am Gullfoss Gullfoss

Wie Sigríður Tómasdóttir den Gullfoss rettete: Um 1920 hatte ein englisches Unternehmen den Wasserfall gepachtet, um dort einen Staudamm zu bauen und die Kraft des Wassers zur Stromerzeugung zu nutzen. Sigríður Tómasdóttir, vom benachbarten Hof Brattholt, hatte die Bedeutung des Wasserfalls in seiner natürtlichen Schönheit für Island erkannt, und so setzte sie sich für den Erhalt des Naturschauspiels ein.

Mit Hilfe des Anwalts Sveinn Björnsson, der später Islands Präsident wurde, führte sie jahrelang erbitterte juristische Gefechte um den Erhalt des Naturwunders. Schließlich drohte sie sogar mit Selbstmord, wenn der Wasserfall nicht in Ruhe gelassen werde. Zum Glück kam es nicht zum Äußersten, eine zu spät bezahlte Pacht machte es dem isländischen Staat möglich, aus dem Vertrag mit den Engländern auszusteigen. – Dieser hartnäckigen Frau ist heute eine Gedenktafel gewidmet, die ihre Geschichte jedem Interessierten weitererzählt.

Wir verbeugen uns vor Sigríður von Brattholt; danke, dass wir heute hier sein und diese gemeinschaftliche Endorphinausschüttung erleben durften.

5. Thingvellir Nationalpark, wo Nordamerika auf Europa trifft

Thingvellir Nationalpark, Graben zwischen Erdplatten
Es ist bereits Nachmittag, wir fahren zurück nach Nordamerika. Genauer gesagt, wir fahren in westlicher Richtung nach Reykjavik und seine nordamerikanische Kontinentalplatte. Auf etwa halbem Weg zwischen dem Gollfuss und Islands Hauptstadt treffen die nordamerikanische und eurasische Platte auf einander.

Der Ort ist heute ein Nationalpark und heißt Thingvellir (Þingvellir). Wobei, Thingvellir heißt er nicht erst seit heute, sondern seit Ende der Landnahme Islands durch die norwegischen Wikinger um 930 n. Chr.

Thingvellir ist also aus zweierlei Gründen für uns von großem Interesse. Einerseits wollen wir den Thingplatz sehen, einer der ältesten Volksversammlungsplätze der Welt, und von großer historischer Bedeutung für Island. Andererseits wollen wir die Grabenbruchzone zwischen zwei tektonischen Platten betrachen. Ein Ort von großer geologischer Bedeutung.

Thingvellir tektonische Platten Nationalpark Thingvellir Wunderschönes Thingvellir, mit Blick auf den See Thingvallavatn

Man kann den Graben zwischen Nordamerika und Europa nicht nur sehen, sondern auch zum Teil bewandern. An dieser Stelle verläuft die Naht zwischen amerikanischer und eurasischer Erdplatte im Atlantik. Es ist ein tausende Kilometer langer Riss im Meeresboden, er wird Mittelozeanischer Rücken genannt. Nur in Island liegt er oberhalb des Meeresspiegels. Für jedermann sichtbar.

Es ist ein merkwürdiger Ort. Ich hatte das Gefühl, der Erdboden könnte jederzeit aufreißen und uns, menschliche Ameisen, in seinem Schlund verschlucken. Die paar Touris sind der Erde doch egal.

Mulmig war mir zwischen den Erdplatten zumute. Ich bewegte mich möglichst leichten Fußes, und wunderte mich über japanische Touristen, die Felsen erklommen, um sich darauf fotografisch abbilden zu lassen.

Ich bin froh, als wir wieder im Auto sitzen, und der im Westen stehenden, nicht untergehenden, Sonne nach Reykjavik folgen.

6. Ende der Rundreise

Zurück in Reykjavik
Nach unserem achtstündigen Trip sind wir glücklich müde. Zurück in Reykjavik essen wir im Zentrum der Stadt zu Abend, trinken zu Abend, einen Liter Bier. Danach gehen wir zurück ins Hotel, wo wir mit Leichtigkeit unseren Schlaf finden. Der hellichte Tag während der Nachtstunden störte diesmal kein bisschen.

ap

Teile diesen Artikel ...
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestmail

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
wpDiscuz