Per SMS „Schluss gemacht“

Ryanair lässt 400.000 Passagiere auf der Strecke

| 22.09.2017 - 12:25 Uhr

Die irische Fluggesellschaft Ryanair gab letzte Woche überraschend bekannt, im Zeitraum von sechs Wochen 400.000 Flüge zu streichen. Bis Ende Oktober sind dies 40 bis 50 Flüge pro Tag. Von und nach Dänemark sind das 70 Flüge die Woche.

Ryanair am Boden

Ryanair am Boden. (Foto Jan Claus)


Betroffen sind die Flugverbindungen zwischen Kopenhagen und Charleroi nahe Brüssel, wo 40 Flüge montags, dienstags, freitags und samstags zwischen dem 25. September und 28. Oktober gestrichen werden.

Donnerstags werden Flüge zwischen Kopenhagen und Bergamo, nordöstlich von Milan, in der gleichen Zeitspanne gestrichen. Weitere Ausfälle betreffen die Flughäfen Kopenhagen, Billund und Aalborg.

Wieviel Zeit hatten Passagiere, um sich auf diese Entwicklung vorzubereiten?

Die Passagierin Jessica H. wollte letzten Freitag von Dänemark nach London zurück fliegen. Um 22.30 Uhr abends, am Tag vor der Abreise, weniger als 24 Stunden vor dem geplanten Rückflug, erhielt sie eine SMS von Ryanair, dass ihr Flug gestrichen sei. Um diese Uhrzeit war niemand von Ryanair persönlich zu erreichen, um Fragen zu beantworten oder bei einer Umbuchung zu helfen.

„Ryanair missachtet völlig die Einzelschicksale seiner Passagiere.“, sagte Jessica gegenüber NORDISCH.info. „Ryanair teilte uns per SMS mit, dass der Flug gestrichen ist.“

Sie war mit Mann, Mutter, Baby und ihrem sechsjährigen Sohn, der eine körperliche Behinderung hat, in Dänemark. Da sie bei Ryanair niemanden erreichen konnte, jedoch dringend nach Hause musste, wurde die Heimreise selbst in die Hand genommen. £1000 zahlte die Familie dafür aus eigener Tasche.

Der neue Flug ging zu einem Flughafen, der 100 Meilen entfernt vom ursprünglichen lag, an dem das Auto abgeholt werden musste. Ryanair weigert sich bisher, das Geld zurück zu erstatten.

Airline-Boss Michael O’Leary erklärte in einer hastig einberaumten Pressekonferenz vergangenen Montag in Dublin, Ryanair könne es sich nicht leisten, umgebuchte Flüge auf andere Fluggesellschaften zu bezahlen, dabei verwies er auf die zu hohen Ticketpreise der Konkurrenz – ein Sarkasmus, den sich der gewohnt arrogante O’Leary nicht sparen konnte.

Alles, was Ryanair bisher seinen gestrandeten und urlaubslosen Passagieren entgegenbringt, ist Überheblichkeit. Ungewohnt von O’Leary ist jedoch, dass er auch Fehler seines Unternehmens zugab.

Die Fehlbuchungen seien auf ein selbstverschuldetes Chaos zurückzuführen, da habe das Management bei den Dienstplänen für Piloten versagt. Die Passagiere seien nicht ausreichend informiert worden. Die für die Passagiere entstandenen Kosten würden jedoch nicht übernommen.

Umgebucht werden darf nur auf einen anderen Ryanair-Flug, falls dieser zur Verfügung stehe. Extraausgaben für Hotels, Mietwagen etc. möchte Ryanair nicht bezahlen.

Ryanair dementiert, dass das Problem auf der Tatsache beruhe, dass dem Unternehmen scharenweise die Piloten wegliefen. Viele zieht es zu Airlines wie Norwegian oder zur expandierenden Finnair, wo sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Bezahlung besser sind.

Jüngste Versuche von Ryanair, seine Piloten mit erhöhtem Gehalt und Prämien doch noch zum Fliegen zu bewegen, scheitern bisher.

Der Aktienkurs sank im Verlauf der Woche um bis zu 8 Prozent, mit einer leichten Erholung zum Ende der Woche, so dass der Kurs vor dem Wochenende bei -3,4 Prozent steht.

O’Leary macht sich indes keine Sorgen um das Image der Airline oder gar mögliche Boykotts durch seine Kunden. Er betonte, dass Passagiere, die schworen, nie wieder mit Ryanair zu fliegen, zurückkommen würden, weil die Preise niedriger seien.

„Unsere Buchungsmaschinen sind voll von Passagieren, die nie wieder mit uns fliegen wollten.“, sagte er.

Pia Kurtsiefer

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