Oder was der Weihnachtsmann mit Albert Einstein zu tun hat

Wie feiert man Weihnachten in Finnland?

| 13.12.2017 - 13:47 Uhr

Christkind oder Weihnachtsmann? Diese Frage stellt sich in Finnland nicht. Natürlich Weihnachtsmann. Schließlich ist Finnland Heimat des Weihnachtsmannes. Und die Vorfreude auf das wichtigste Fest (neben Mittsommer) wird ausgiebig zelebriert.

Büro des Weihnachtsmannes

Im Büro des Weihnachtsmannes.


So ist die prall gefüllte Weihnachtszeit in Finnland fast schon eine eigene Jahreszeit. Wie die Menschen in Finnland Licht, Genuss und Fröhlichkeit in diese so dunkle Zeit bringen, das zeigt unsere X-mas-List: 10 Dinge, die in Finnland unbedingt zur Weihnachtszeit gehören.

1. Weihnachtsmann

Woher kommt der Weihnachtsmann? In Finnland ist die Antwort klar: aus Korvatunturi. Wörtlich übersetzt: Ohrenberg. Ein knapp 500 Meter hoher Berg in finnisch Lappland.
Dort wohnt Joulupukki (Weihnachtsmann) mit seiner Frau Joulumuori (die alte Dame Weihnachten) und ganz vielen Tonttus. Das sind die Weihnachtswichtel, die dem weißbärtigen alten Mann mit dem roten Mantel bei den Weihnachtsgeschenken helfen.

Der Name Ohrenberg kommt von der Form der zwei Hügel. Die Hügel sehen aus wie übergroße Ohren. Die Wichtel behaupten, das sei der Grund, warum Joulupukki alle Kinder dieser Welt hören kann.

Da der Weg dorthin durch tiefen Schnee äußerst beschwerlich ist, hat Joulupukki seit vielen Jahren ein „office“ bei Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Dort kann man ihn das ganze Jahr über besuchen. Zumindest an 364 Tagen im Jahr. Hier landen auch all die Wunschzettel im Hauptpostamt des Weihnachtsmannes.

Postamt im Weihnachtsdorf

Hier landen all die Wünsche: sei es eine Puppe, ein Handy oder dass Papa ganz schnell wieder gesund wird.


„18,6 Millionen Briefe aus 199 Ländern landen hier jedes Jahr ,“ sagt Sanna Kärkkäinen von Rovaniemi Tourismus. Und nicht nur die: die Besucherzahlen verzeichnen zweistellige Zuwachsraten. Im Rekordjahr 2016 waren es erstmals mehr als 500.000 Gäste, die dem Weihnachtsmann persönlich die Hand schütteln wollten. Allen voran die Israelis, gefolgt von den Franzosen, Deutschen und Chinesen.
Weihnachtsmann in Finnland

Kinderaugenleuchten in Reinkultur: Da ist man plötzlich wieder Kind.

2. Tonttus

Die Tonttus sind so wichtig, dass sie eine eigene Erwähnung verdienen. Jedes Kind in Finnland kennt die Tonttus, die Gehilfen des Weihnachtsmannes. Sie sind ungefähr so groß wie Kinder, verstehen es aber sehr geschickt, unbemerkt zu kommen und zu gehen. Nur mit guten Augen erkennt man ihre klitzekleinen Fußabdrücke im frisch gefallenen Schnee. Angeblich sind die elfenartigen Wichtel auch im Geheimauftrag von Joulupukki unterwegs und beobachten Klein und Groß, um ihm später zu berichten, wer wirklich brav war.

Die Geschenkwichtel basteln die Geschenke, Postwichtel kümmern sich, wie der Name schon sagt, um die Korrespondenz des Weihnachtsmannes, Rentierwichtel hüten Rentiere und Küchenwichtel helfen der Frau des Weihnachtsmannes bei der Essenszubereitung. Im offiziellen Weihnachtsmanndorf (santaclausvillage) machen sie auch Fotos, verkaufen Postkarten oder packen Souvenirs ein.

Tonttus sind Wichtel und Elfen

Tonttus: Wichtel und Elfen helfen dem Weihnachtsmann das ganze Jahr über bei den Vorbereitungen.

3. Rudolf Rotnase

Rudolf ist wohl das bekannteste Rentier der Welt. Auf finnisch heißt es Petteri Punakuono und ist in Wahrheit natürlich nur eins von vielen Rentieren, die für den Joulupukki arbeiten. Im Sommer haben sie übrigens frei, im Winter können sie im Weihnachtsmanndorf besichtigt werden.

Und wer sich fragt, wie der Weihnachtsmann das schafft, mit seinem Rentierschlitten in einer einzigen Nacht alle Kinder dieser Welt zu besuchen. Ganz einfach: er ist im Nebenjob auch Herr der Erdachse und der Gravitation. Große schwere Zahnräder stehen dafür ebenfalls in seinem Büro und damit kann er die Zeit dehnen. Das ist auch der Grund, warum einem das Warten am Heiligen Abend oft so endlos lang vorkommt.

Für alle Kritiker und Zweifler sei noch ergänzt: Die britische Physikerin Katy Sheen hat nachgewiesen, dass sich das Arbeitspensum des Weihnachtsmanns mit Albert Einsteins Spezieller Relativitätstheorie erklären lässt. Damit lässt sich im übrigen auch darlegen, warum der Weihnachtsmann nicht altert. Die Einsteinsche Zeitdehnung macht es möglich. Saust man nämlich mit hoher Geschwindigkeit um den Globus, vergeht die Zeit langsamer und man altert weniger schnell.

Rudolf Rotnase, Rentier

Rentiere, Gute Freunde des Weihnachtsmannes.

4. Pikkujoulu

Pikkujoulu bedeutet so viel wie Klein-Weihnachten. Ab Mitte November veranstalten nicht nur Betriebe, sondern auch Vereine, Schulen, Kindergärten, Tanzclubs und andere Organisationen Weihnachtsfeiern.

Weihnachten wir schon mal vor-gefeiert, die Weihnachtszeit eingeläutet. Häufig begleitet von ausreichend Glögi (die finnische Variante des Glühweins) und dem traditionellen Weihnachtsessen. Manche haben regelrecht Pikkujoulu-Stress, weil eine Feier die nächste jagt. „Verwunderlich, dass in Finnland im Dezember überhaupt noch was funktioniert,“ sagte mir mal jemand bei einer solchen Pikkujoulu-Feier in Rauma.

Pikkujoulu

Pikkujoulu: Die Finnen machen sich es in der eisigen Zeit gemütlich.

5. Weihnachtsfrieden

In der ehemaligen Hauptstadt Turku wird an Heiligabend offiziell der Weihnachtsfrieden ausgerufen. Wenn die Uhr des alten Doms 12 Uhr geschlagen hat, versammeln sich die Menschen auf dem Alten Markt und vom Balkon des Rathauses verkündet der Bürgermeister den dreitägigen Weihnachtsfrieden.

Dabei ermuntert er alle, „sich im übrigen still und ruhig zu benehmen“. Das alles wird live in Radio und Fernsehen übertragen. Turku ist die einzige Stadt in ganz Skandinavien, in der sich diese Tradition fast ohne Unterbrechung seit 1320 gehalten hat. Die Sitte, Friedensbrecher in dieser Zeit doppelt so hart zu bestrafen wie üblich, hat sich allerdings nicht gehalten.

Chinesische Touristen am Polarkreis

Chinesische Touristen am Polarkreis beim Pflicht-Selfie.

6. Zeit der Lichter

Winterzeit – das bedeutet in Finnland viel Dunkelheit. In Oulu etwa schrumpft die Zeit mit Tageslicht bis Weihnachten auf dreieinhalb Stunden zusammen. (Im Vergleich: Hamburg hat mit 7,5 Stunden mehr als doppelt so lange Tageslicht.)

Licht hat jetzt eine ganz besondere Bedeutung für die Finninnen und Finnen. Nicht nur die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen erhellt die Tage. Kerzen haben Hochkonjunktur und brennen nicht nur auf den Adventskränzen, sondern auch draußen vor den Fenstern und Hauseingängen. Jetzt ist die Zeit der Eislichter.

Dazu wird ein mit Wasser gefüllter Eimer über Nacht ins Freie gestellt. Am nächsten Morgen wird der Eimer entfernt, das restliche Wasser ausgeschüttet und zurück bleibt gefrorenes Eis, durch das eine Kerze in der Mitte besonders schön funkeln kann.

Spezielle Lichtfestivals in Städten wie Helsinki und Oulu tun ihr übriges. Viele Gebäude werden dann ab Einbruch der Dunkelheit (und das ist schon am frühen Nachmittag der Fall) mit bunten Scheinwerfern kunstvoll angestrahlt.

Manche Cafés werben gar mit Lichtduschen. Gemeint ist, dass sie innen besonders gut erhellt sind. Da geht man nicht nur zum Kalorien-Tanken, sondern auch um Licht zu tanken.

Valoa Oulu Lichtfest

Valoa Oulu: das mehrtägige Lichtfestival erhellt die Stadt am Abend.

7. Friedhof

Am Heiligen Abend besuchen die Finninnen und Finnen traditionell die Friedhöfe, gedenken ihrer verstorbenen Angehörigen und zünden Lichter auf den Gräbern an.
Vom weißen Schnee vervielfacht entsteht ein Lichtermeer des Gedenkens.

Friedhof Oulu Lichter

Friedhof in Oulu. Ein Lichtermeer des Gedenkens. (Foto von „12019“)

8. Sauna

Ohne Sauna geht bei den Finnen nichts. Auch nicht an Weihnachten. So ist der weihnachtliche Saunagang vor dem Festmahl fast schon Pflicht. In ganz alter Zeit glaubten die Menschen, dass auch die verstorbenen Angehörigen zum Baden in die Weihnachtssauna kämen. Nach dem Schwitzen wälzt man sich idealerweise im Schnee. Sauber für den Weihnachtsmann.

Sauna Ylläsjärvi Lappland

Saunahäuschen am Ylläsjärvi in Lappland.

9. Weihnachtsschinken

Doch bevor der Weihnachtsmann mit dem verheißungsvollen Sack voller Geschenke kommt, wird an festlich gedeckter Tafel gespeist. Zum weihnachtlichen Menü gehört unbedingt der Weihnachtsschinken (joulukinkku), der seit dem Morgen im Backrohr gart, und Aufläufe. Diese bestehen aus Steckrüben sowie einem Karotten-Reis-Gemisch.

Weihnachtsschinken Joulukinkku

Joulukinkku, der Weihnachtsschinken. (Foto Niklas Nordblad)


In vielen Familien gibt es auch Fischsalat mit roter Beete. Der große Vorteil: die „Hausfrau“ kann die Aufläufe schon am Vortag machen und steht an Heilig Abend nicht mehr stundenlang in der Küche.

Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Weihnachtsbrei, ein ganz normaler Milchreis, in den eine einzige Mandel eingerührt wird. Wer sie beim Essen auf seinem Teller oder im Mund wiederfindet, wird im nächsten Jahr vom Glück begleitet. Oder muss ein Lied anstimmen oder die Küche aufräumen. Das wird in jeder Familie individuell ausgehandelt. Es hat sich jedoch über die Jahre herausgestellt, dass die Mandel bei unangenehmen „Belohnungen“ sehr viel häufiger unauffindbar bleibt als bei erfreulichen.

Joulutorttu Weihnachtsgebäck Finnland

Sehen aus wie Windräder: Joulutorttu.


Zu den typischen Weihnachtsleckereien gehören auch die Joulutorttu, Weihnachtskuchen. Das sind zu Windrädern geformte Plunderteilchen, mit Pflaumenmus gefüllt.

10. Weihnachtsbaum und Himmeli

Himmeli kommt tatsächlich vom Wort Himmel und bezeichnet den typisch finnischen Weihnachtsschmuck. Himmlische pyramidenförmige Mobile aus Strohhalmen gebastelt, die munter von der Decke baumeln und sich fröhlich im Kerzenschein drehen.

Himmeli Weihnachtsschmuck

Himmeli bezeichnet den typisch finnischen Weihnachtsschmuck. (Foto Leia)


Die obligatorische Fichte wird erst an Heilig Abend ins Haus geholt. Gemeinsam schmücken Kinder und Erwachsene den Baum mit Strohsternen, Kugeln und Bändern. An der Spitze leuchtet traditionellerweise ein goldener oder silberner Stern. Dabei singt man Weihnachtslieder, von denen es in Finnland mehr gibt, als ein Notenheft aufnehmen könnte. Selbstredend handeln sie von Joulupukki, Tonttus, Schnee und stillen Nächten. Und zwischendurch ist immer noch Platz für Joulutorttu, Blätterteig-Sterne mit einem Klacks Pflaumenmus in der Mitte.
Weihnachtsmann/Joulupukki

Der Joulupukki bringt höchstpersönlich braven Kindern die Geschenke.


Joulupukki lässt es sich nicht nehmen, die Geschenke höchstpersönlich bei den braven Kindern vorbeizubringen. Und an Heiligabend gibt es ja ohnehin nur brave Kinder. Allerdings kommt er nicht durch den Schornstein, sondern durch die Tür. Weil die Rentiere draußen in der Winternacht ungeduldig warten, hat er zwar nicht viel Zeit, aber allemal genug für einen kurzen Schwatz mit den Kindern, ein gemeinsames Lied und einen wärmenden Schnaps.

In diesem Sinne: Hyvää joulua! Fröhliche Weihnachten!

Weihnachtsbaum im Weihnachtsdorf

Hyvää Joulua!

 

TEXT und FOTOS (sofern nicht anders gekennzeichnet) von Tarja Prüss

INFOS

Das Weihnachtsmanndorf liegt rund 8 Kilometer außerhalb von Rovaniemi, direkt am Polarkreis, deren Linie man hier mit Weihnachtsklängen im Hintergrund überspringen kann. Der persönliche Besuch im Wohnzimmer des Weihnachtsmannes ist kostenlos. Rund um Weihnachten herum muss man jedoch mit langen Warteschlangen rechnen.

Im Dorf selbst finden sich zahlreiche Geschäfte mit Weihnachtsdeko und Geschenkartikeln. Außerdem ein Eishotel, eine Rodelbahn und ein Rentiergehege.

www.santaclausvillage.info

Das Hauptpostamt des Weihnachtsmannes:
Tähtikuja 1, FI-96930 Napapiiri
Tel. 020 4523 120
Fax 016 3481 418
joulupukinpaaposti(at)posti.fi
Infos über Rovaniemi: www.visitrovaniemi.fi
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