Finnisches Generalkonsulat in St. Petersburg überfordert

Rückstau von 50T Visumanträgen aus Russland im finnischen Konsulat

| 12.05.2017 - 19:02 Uhr

Die Reisen russischer Touristen nach Finnland nehmen immer mehr an Fahrt auf. Allein im finnischen Konsulat in Sankt Petersburg werden täglich bis zu 4.000 Anträge auf ein Visum gestellt. Die Wartezeit beträgt dort inzwischen mehrere Monate.

Wie Yle gestern berichtet hat, warten in Petersburg 50.000 Anträge auf Bearbeitung. Nach einer langen Periode der Lethargie, scheint der russische Tourist aus einem Winterschlaf erwacht zu sein. Und er hat nun Lust auf Finnland.

Reiseplanung Visum Finnland Russland

Der Reiseplan vieler Russen nach Finnland ging nicht auf (Symbolbild von rawpixel.com)


Das Petersburger Generalkonsulat schätzt, dass allein aus der Stadt Petersburg und der Leningrader Oblast eine halbe Million Visumanträge dieses Jahr gestellt werden. 2017 haben bislang mehr Russen die Grenze zu Finnalnd passiert als im ganzen Jahr 2015.

Auch das Konsulat in der Stadt Wyborg erlebt einen deutlichen Anstieg bei Visa-Anfragen. Wohingegen andere in der Nähe zu Finnland gelegene Städte, wie zum Beispiel Petrosawodsk und Murmansk, keinerlei gesteigertes Interesse der Russen in Sachen Finnlandreisen vermelden.

Das niedrige Interesse an Finnland in den letzten Jahren jenseits der finnischen Ostgrenze lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass der Rubel im Zuge der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und des Preisverfalls des Rohöls einer starken Abwertung ausgesetzt war. Nur wenige Russen wollten oder konnten mit ihren schwachen Rubeln ein eher teueres Land wie Finnland bereisen.

Jetzt, nach einer Phase der Aufwertung der russischen Währung, rückt auch Finnland in erreichbare Nähe. Der Rubel hat sich zwar etwas erholt, ist jedoch lange nicht so stark, wie vor den Sanktionen. Davon profitiert Finnland. Der Russe hat nicht genug Geld in der Tasche, um weite Reisen in den Süden zu unternehmen. Das nahe Finnland ist jedoch mit Zug, Auto oder Schiff schnell erreicht.

Finnische Geschäfte führen genügend Produkte in ihren Supermärkten, die es in Russland seit dem Lieferstopp dorthin nicht mehr gibt. So möchten wohl viele Russen ihren Trip nach Finnland vor allem für einen Einkauf nutzen, heißt es in dem Bericht von Yle.

In den Jahren der geringen Nachfrage nach den Visa für Finnland hat man das Personal für die Bearbeitung von Visumanträgen in Sankt Petersburg auf ein Minimum reduziert. Zudem hat man Teile der Antragsbearbeitung von Petersburg nach Kouvola verlegt. Jetzt, da der Tourismus aus Russland wieder zunimmt, verfügt man nicht über genügend Personal, um mit der Nachfrage mithalten zu können.

Die langen Wartezeiten haben dazu geführt, dass viele Buchungen für Ferienhäuser und Hotels storniert wurden. Die Visa konnten nicht rechtzeitig dem Antragsteller zugeführt werden. Darum gab es viel Verdruss über die finnischen Behörden, und zwar seitens der Reisewilligen genauso wie auch der Reisebüros und -verantsalter.

Die finnische Regierung hat das Problem erkannt, und will in Kouvala 30 Saison-Sachbearbeiter einstellen. Kari Lehtonen, Leiter der Abteilung Visumsangelegenheiten im Generalkonsulat Sankt Petersburg, sagte gegenüber Yle, dass man auch in Petersburg zusätzliche Leute brauchen werde.

Lesen Sie auch in unserem City-Guide für Sankt Petersburg, was man für ein Visum nach Russland benötigt und worauf man dabei achten muss.

ap

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