Finnland

Bedingungsloses Grundeinkommen: Finnland wagt es

| 7.01.2017 - 13:39 Uhr

Als erstes Land der Welt testet Finnland das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens auf nationaler Ebene. 2.000 zufällig ausgewählte Arbeitslose bekommen ab Januar 2017 monatlich 560 Euro, hinzu kommt Wohngeld, anstelle von Arbeitslosengeld. Bedingungslos.

Das Experiment ist auf zwei Jahre angelegt. Dessen Ergebnis können viele Sozialpoliktiker kaum abwarten. Das finnische Sozialsystem steht seit der jüngsten Wirtschaftskrise unter Druck, man erhofft sich eine Vereinfachung des Sozialverwaltungsapparates sowie eine Verringerung der Kosten.

Die Arbeitslosen dürfen zu ihrer Grundsicherung Geld dazu verdienen, es wird nicht mit dem staatlichen Grundeinkommen verrechnet. So sollen Motivationsbremsen abgebaut werden.

Bereits 1974 wurde in der kanadischen Stadt Dauphin das Grundeinkommen fünf Jahre lang getestet. Die Ergebnisse verschwanden damals in den Archiven, zu stark war der politische Wille, das Grundeinkommen zu verhindern. Die Akten wurden 2009 nach fünfjähriger Suche wiederentdeckt.

Ihre Analyse zeitigte folgende Ergebnisse: Weniger Menschen wurden krank – vor allem psychische Beschwerden gingen zurück, die Krankenhausaufenthalte verringerten sich um 8,5 Prozent, Jugendliche schafften öfter einen Schulabschluss, die Scheidungsrate ging zurück. 1 Prozent der Leute hörte auf zu arbeiten.

Das neue Gefühl der Sicherheit trug offensichtlich zum körperlichen und psychischen Wohlbefinden der Teilnehmer bei und senkte nebenbei die Kosten des Gesundheitssystems. Entgegen aller Befürchtungen brach der Arbeitsmarkt keineswegs zusammen. Das frische Geld befeuerte den Konsum und kam auf diese Weise der lokalen Wirtschaft zugute.

Die Ergebnisse aus Dauphin sind jedoch nur bedingt mit dem finnischen Experiment vergleichbar. In Dauphin schmälerte jeder zusätzlich verdiente Dollar das Grundeinkommen um 50 Cent. In Finnland dürfte das Ergebnis noch eindeutiger ausfallen als in Kanada, da die Anreize, zusätzlich durch Arbeit Geld zu verdienen, nicht durch Anrechnungen auf das Grundeinkommen geschmälert werden.

Umfragen zufolge befürworten derzeit 64 Prozent der Bürger in der EU ein bedingungsloses Grundeinkommen. Somit blicken nicht nur die Finnen gespannt auf den Verlauf dieses Experiments.

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