Reisebericht: Lappland? Im Winter? Echt jetzt?

Auf der Jagd nach Nordlichtern in Finnisch-Lappland

| 2.03.2017 - 11:13 Uhr

Je näher die Reise kam, umso mehr zweifelte ich an meiner geistigen Gesundheit. Als Frau mit der Ur-Angst vorm Erfrieren, hatte ich doch tatsächlich einer Reise nach Lappland zugestimmt. Im August.

Nun ja, die Reise war gebucht, also fahren wir. Nicht ohne zuvor unseren Bestand an warmer Kleidung um elektrischen Schnickschnack wie Schuh- und Handschuhwärmer sowie Stirnlampen, die einer Höhlenexpedition würdig wären, aufzustocken.

Weiß doch schließlich jeder, dass es im winterlichen Lappland immer kalt und immer dunkel ist.

Rollfeld Flughafen Kittilä

Rollfeld des Flughafens Kittilä.

Das Flugzeug landete in Kittilä, ca. 200 km nördlich des Polarkreises, auf einer nahezu schneebedeckten Piste – klingt das nicht unfassbar polarexpeditionistisch? Wir landeten gegen Mittag und es war gar nicht dunkel! Im Gegenteil – ein ganz besonderes Licht lag über dem Airport: von mattem hellblau über uns bis hin zu sanftem gelb und orange über dem Horizont.

Um uns alles schneebedeckt, eiskalt, klar und wunderwunderschön – Lappland hatte mich beim ersten Anblick für sich eingenommen.

Schneebedeckt

Über allem die Stille.

Unser Blockhaus stand außerhalb des Dorfes Ylläsjärvi, nahe des Pallas-Yllästunturi-Nationalparks. Die Tage waren verplant mit Polarlichtsafaris, Rentieren, Hundeschlittenfahrt, Snowmobiltouren und Wanderungen. Ich möchte so viel erzählen, denn wirklich alles war so unglaublich schön und faszinierend.

Das Schönste an Lappland aber war Lappland selbst. Wann waren Sie zuletzt in einer Winterlandschaft unterwegs, die den Namen noch verdient? Mit schneeweißem Schnee, der einfach schneeweißer Schnee bleibt.

Mit dick schneebedeckten Bäumen, die wie aus einer Filmkulisse aussehen. Mit eiskalter, trockener Luft, in der man tatsächlich nicht so friert wie im heimischen feuchten Winter. Mit Fußwegen, auf denen der Schnee so laut knirscht, dass man richtig laut reden muss, um sich zu unterhalten. Und mit Straßen, die nicht nur durch Salz und Dreck auffallen – alles ist weiß, weiß, weiß.

Und über allem liegt Stille.

Ylläs

Ylläs.


Eine schöne Wanderung von ca. 20 km vom Skigebiet Ylläs nach Yllasjärvi. Der Weg führte uns durch die endlosen Wälder entlang von Wegen und breiten Loipen, nach jeder Biegung neue Begeisterung über den Anblick der bezaubernden Umgebung.

SchneebedecktUm abzukürzen, wollten wir mal von einer kleinen Brücke zur darunterliegenden Loipe gelangen. Sind Sie schon mal abwärts bis zur Hüfte im Schnee stecken geblieben? Sehr lustig! Die Schwerkraft zieht den Oberkörper nach unten, während die Beine feststecken.

Man rollt sich am besten den Hang hinunter, sieht danach aus wie ein Schneemann und fühlt sich wie damals, wenn man als Kind vom Schlittenfahren heimkam und nur noch aus weißen Schneebollern an der Kleidung bestand.

Der eigentliche Grund für die Reise waren die Polarlichter und da wir wussten, dass wir dafür viel Glück brauchten, machten wir uns gleich in der ersten Nacht bei minus 20 Grad auf die Suche – warm eingepackt, guter Dinge, immer den Kopf im Nacken und bewaffnet mit Kameras. Nach einer Stunde ging uns so langsam die Hoffnung aus, in dieser Nacht noch was zu entdecken.
Polarlicht
Und dann, ganz plötzlich waren sie da! Zuerst lange, schmale, grüne Streifen. Dann vergrößerte sich die Himmelsfläche, welche von den Polarlichtern bedeckt war. Die Gebilde veränderten sich ständig, sowohl in der Form als auch in der Größe. Es gab alles: Kreisel, Striche und wabernde Flächen.
Nordlicht
Auch die Lichtintensität wandelte sich, das Grün ist teils sehr leuchtend, teils verläuft es im Himmelsdunkel und verschwindet, um an anderer Stelle sofort wieder aufzutauchen. Das Spektakel dauerte ungefähr eine Stunde und ließ uns begeistert zurück.
Aurora borealis
Es war unglaublich. Unglaublich schön! Und faszinierend! Und es ist mir egal, ob das nur elektrisch geladene Teilchen sind, die auf Sauerstoff oder Stickstoff stoßen – schön ist es, wunderschön!

Die Tage in Lappland vergingen so schnell und jeder Tag hatte seine eigene Sensation. Die Huskies werden uns unvergessen bleiben, die Snowmobiltouren durch Wälder und zugefrorene Seen machten, dass wir uns wie Entdecker fühlten und die Rentiere sind noch scheuer als erwartet.

Rentier

Gut eingepackt wie ein Rentier.


Und bevor ich es vergesse, für Liebhaber von Zimtgebäck ist Finnland ein Schlaraffenland! Also für mich.

Aber nicht nur deswegen werden wir zurückkommen, die menschenarme Schönheit des Landes ist wirklich ganz besonders. Immer vorausgesetzt, man ist gut eingepackt.

Also, Lappland im Winter? Unbedingt!

Von Lille

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