Talsinki

Helsinki-Tallinn-Tunnel: Estland will Projekt vorantreiben

| 22.02.2018 - 13:07 Uhr

Tallinn – Das Projekt Rail Baltica wird Estland mit Mitteleuropa verbinden. „Aber Estland muss nicht die Endstation sein.“, sagte Estlands Premierminister Jüri Ratas auf einer Konferenz in Tallinn Anfang des Monats.

Helsinki Tallinn Tunnel

(Graphik FinEst Link)


„Ich habe gehört, viele Leute in Finnland […] fühlten sich, als würden sie auf einer Insel leben. Doch es muss nicht so bleiben.“, so Ratas weiter, nach einem Bericht von Reuters vom 7. Februar.

Gestern nun hat der Regierungsausschuss zur wirtschaftlichen Entwicklung Estlands entschieden, die nächsten Schritte auf dem Weg zum Helsinki-Tallinn-Tunnel zu unternehmen. So heißt es in der Regierungserklärung vom gestrigen Mittwoch.

„Das Tunnel-Projekt zur Anbindung zweier Städte, zweier Länder ist sehr ehrgeizig und einmalig sowohl in seiner Größe als auch in seiner möglichen Auswirkung. Wenn es gelingt, dann wäre damit den Bürgern beider Länder geholfen, die Geschäftsmöglichkeiten würden steigen, der Arbeitsmarkt belebt werden.“, wird Ratas in der Regierungserklärung zitiert.

„Um zu einer guten Entscheidung zu gelangen, muss eine breite öffentliche Debatte dieses Themas stattfinden, in Finnland, sowie in Estland. Jeder Schritt muss auf Grundlage einer Tiefenanalyse unternommen werden, in enger Absprache mit unseren nördlichen Nachbarn. Ich werde mich bald mit meinen finnischen Kollegen treffen, um dieses Thema zu besprechen. Außerdem möchte ich die Angelegenheit bei unserer gemeinsamen Regierungssitzung am 7. Mai in Helsinki besprechen.“, sagte Ratas.

Der Machbarkeitsstudie FinEst Link zufolge, würde mit einem Tunnel die Zahl der Reisenden zwischen den zwei Hauptstädten bis 2050 auf 23 Millionen pro Jahr steigen, 10 Millionen Passagiere würden über die Fährverbindung befördert werden. Der Warenverkehr würde, von aktuell 3,8 Mio. Tonnen, auf 8,4 Mio. ansteigen.

Ohne den Tunnel würde die Zahl der Passagiere von heute 9 Mio. bis 2050 auf 14 Mio. anwachsen. So die Studie.

Der 103 km lange Tunnel würde die Reisezeit von derzeit 90 auf 30 Minuten verkürzen. Es entstünde eine Verbindung zwischen den beiden Flughäfen in Tallinn und Helsinki, außerdem fände Finnland Anschluss an die Rail Baltica, die von Tallinn über Riga, Litauen, Warschau bis Berlin gehen soll. (Dieser Bau wird voraussichtlich 2026 vollendet werden.)

Die Kosten für den Tunnel werden auf 16 Mrd. Euro geschätzt, der Bau würde 15 Jahre in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, man würde 2025 damit anfangen.

Kalkuliert wird mit 40 Passagierzügen am Tag, die zu Stoßzeiten alle 20 Minuten abfahren. Der Preis für einen Fahrschein wird mit 18 Euro veranschlagt.

Konkurrenzprojekt zum staatlichen Tunnelbau

Peter Vesterbacka, der ehemalige Geschäftsführer von Rovio (bekannt durch die Entwicklung der Handy-App Angry Birds), möchte mit Hilfe von Investoren aus China ein privates Tunnelprojekt realisieren, das eine andere Route nimmt und schneller fertig werden soll.

Die finnische Regierung jedoch konzentriert sich auf die eigenen Pläne, heißt es übereinstimmend in verschiedenen Medien.

Siehe auch:

ap

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