Armut Hauptursache des Problems

In England ist die Kindersterblichkeitsrate fast zwei Mal höher als in Schweden

| 4.05.2018 - 13:01 Uhr

Kinder, die in England geboren werden, erreichen im Vergleich zu Kindern, die in Schweden geboren werden, mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit nicht das fünfte Lebensjahr. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die gestern im The Lancet veröffentlicht wurde.

Kindersterblichkeit England und Schweden

(Foto Alex Hockett)


Forscher des University College London und des Karolinska-Instituts in Schweden fanden heraus, dass 19 von 10.000 Kindern, die zwischen 2003 und 2012 in Schweden geboren wurden, vor ihrem fünften Lebensjahr verstarben. In England liegt die Zahl der Sterbefälle bei 29 von 10.000, damit ist die Kindersterblichkeitsrate 1,5 höher als in Schweden. Untersucht wurden Kinder im Alter von zwei Tagen bis vier Jahre.

In 77 Prozent der Fälle waren die Ursachen niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt, angeborene Defekte, darunter Herzprobleme, die in Großbritannien wesentlich häufiger auftraten.

Nach Ansicht der Wissenschaftler liegt die Begründung für diese Umstände darin, dass die Mütter in England mit höherer Wahrscheinlichkeit arm sind.

2003-2005 hatten die ärmsten 20 Prozent Englands 1/7 des Einkommens der reichsten 20 Prozent. In Schweden hingegen verfügten die ärmsten 20 Prozent noch über ein Viertel des Einkommens der reichsten 20 Prozent.

Das Problem liege daher weniger im englischen Gesundheitswesen, sondern mehr im Sozialwesen, so die Forscher.

Anders Hjern, Professor am Karolinska-Institut, der am Forschungsprojekt beteiltigt war, sagte gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT: „Armut verursacht chronischen Stress. Es gibt sehr viele interessante Untersuchungen darüber, wie diese Art von Stress sich auf die Schwangere auswirkt.“

Er fügte hinzu: „In Schweden gehen Kleinkinder in den Kindergarten. Das ist in England nicht soweit verbreitet. Es ist in den armen Familien üblich, dass die Kinder zuhause bei ihren arbeitslosen Müttern bleiben.“

Die Hauptautorin der Studie, Dr. Ania Zylbersztejn von der UCL Great Ormond Street Institute of Child Health, London, kam in ihrer Auswertung zu dem Schluss, dass der beste Weg, um die Kindersterblichkiet zu reduzieren, sowohl die Bekämpfung der sozialen Ungleichheit als auch die Verbesserung der Gesundheit der Mütter vor und während der Schwangerschaft sei.

ap

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